Nach einigen Jahren in der freien Wirtschaft hieß es für Michael Junghannß zurück zum Ursprungsziel. In diesem Jahr schließt er seinen Vorbereitungsdienst an einer sächsischen Grundschule ab und übernimmt dann als vollausgebildeter Lehrer die Leitung einer ersten Klasse – ganz so, wie eigentlich es immer sein Plan war.  

 

„Eigentlich wollte ich schon seit der zweiten Klasse Lehrer werden“, erzählt Michael Junghannß, „ich wurde sogar damals von meinen Mitschülern als Herr Lehrer angesprochen“, lacht er. Gerade beendet er seinen Vorbereitungsdienst und übernimmt danach eine Grundschulklasse als Klassenlehrer. Doch bis dahin war es ein langer und kurvenreicher Weg.  

 

Nach dem Abitur im sächsischen Neustadt an der tschechischen Grenze geht Junghannß zunächst für zwei Jahre zur Bundeswehr. Danach zieht es ihn nach Dresden, wo er auch geboren und aufgewachsen ist, bevor er mit seinen Eltern in die Kleinstadt zog. „Ich wollte einfach unbedingt nach Dresden, weil ich diese Stadt liebe. Es ist so schön zum Wohnen, die Leute sind nett. Vor allem, wenn man weiß, wie man sie nehmen muss …“, scherzt Junghannß. Überhaupt lacht er viel, nimmt vieles mit Humor – man kann sich vorstellen, dass seine Schülerinnen und Schüler ihn schätzen. Etwas ernster setzt er hinzu: „Außerdem: Wenn alle hier abhauen, dann wirds ja nicht besser!“ 

Im Ethikunterricht stehen die Kinder im Fokus, ganz nach Junghannß‘ Idealvorstellung

Mit Kindern konnte er schon immer gut, und weil der Bedarf an männlichen Lehrkräften an Grundschulen so hoch ist, nimmt er 2006 sein Studium zum Grundschullehramt an der TU Dresden auf. Neben den drei Grundschulfächern Deutsch / Mathe / Sachunterricht schreibt er sich für Philosophie / Ethik als Ergänzungsfach ein. „Im Ethikunterricht stehen die Kinder im Fokus. Das war genau das, was ich wollte.“ Das Philosophiestudium beeindruckt ihn, bringt ihn auch privat stark ins Reflektieren.

Bis heute bezeichnet Junghannß sich als Idealist. Als junger Mann will er etwas bewirken, engagiert sich im Fachschaftsrat, knüpft zahlreiche Kontakte. Seine Ausbildung als Lehrer hätte er eigentlich 2011 abschließen können. Direkt danach zurück an die Schule zu gehen, konnte er sich jedoch nicht vorstellen: „Das machen viele und das ist auch toll. Aber ich wollte noch etwas sehen von der Welt und bin dann ein Jahr nach Australien gegangen.“

Vor dem Schuldienst noch einmal für längere Zeit ins Ausland

Diese Zeit im Ausland erweitert seinen Horizont, er nimmt vieles für sich persönlich mit: Empathie, auf Menschen zugehen, auch wenn man sich nicht verständigen kann. Heute nutzen ihm diese Erfahrungen auch im Umgang mit Kindern, erzählt er. 

 

Australien aber ist teuer. Als der junge Mann zurückkehrt, ist erst einmal die Kasse knapp. Zuerst verdient er sich als Tutor an der TU Dresden, erledigt dann immer mehr Promo-Jobs in der Gastronomie. Auch hier nützt es ihm, dass er leicht auf Fremde zugehen kann. 2014 nimmt er einen Job bei einer Agentur an, bevor er ein Jahr später sein Erstes Staatsexamen schreibt. Durch einen unglücklichen Zufall kann er seinen Vorbereitungsdienst jedoch nicht direkt anschließen. Also bleibt er erst einmal im Sales Marketing. Nur für ein Jahr, bis er im darauffolgenden sein Referendariat beginnen kann – denkt er zunächst. Doch es kommt anders. Er bleibt, kommt in der Branche viel rum. 

Die Geburt seiner Tochter lässt ihn innehalten

Ein großer Schritt in die Zukunft: 2020 arbeitet Junghannß als Gebietsverkaufsleiter in Leipzig/Dresden für eine Spirituosenfirma, als seine Tochter zur Welt kommt. Durch die Zeit mit ihr beginnt er, sich auf sein ursprüngliches Vorhaben zurückzubesinnen. In ihm regt sich eine Stimme: „Ich hab das doch mal studiert! Seit der zweiten Klasse will ich mit Kindern arbeiten und bin dann irgendwie auf Umwege geraten.“  

Ein anderes Bundesland außer Sachsen kam für Junghannß nie infrage

Missen möchte er diese Erfahrungen um nichts in der Welt: „Alles, was ich privat und beruflich erleben und sehen wollte, habe ich gehabt!“ Immer wieder wird er in den vergangenen Jahren gefragt, warum er nicht in Hamburg oder Berlin lebe. Doch schon zu Studienbeginn kommt ein anderes Bundesland für Junghannß nicht infrage: „Ich wollte immer in Sachsen bleiben, denn hier ist mein Zuhause. Ich werde hier einfach gebraucht!“ 

 

Jetzt sei es für ihn an der Zeit, sich seiner eigentlichen Aufgabe zu widmen: Kindern die Welt zu zeigen. Also bewirbt sich Junghannß für seinen Vorbereitungsdienst, den er an einer Schule auf dem Land leistet – denn gerade hier bedürfe es moderner Strukturen und der Unterstützung von Heterogenität. „Weltoffenheit und Demokratieerziehung sind Grundsätze, die schon in der Grundschule die Basis für unsere Demokratie legen!“  

Grundschulkinder bedürften dringend auch männlicher Vorbilder

„Da kann man noch was bewegen – gerade als eines der wenigen männlichen Vorbilder.“ Viele Kinder erlebten in ihren ersten Jahren nur Frauen im erzieherischen Umfeld. Gerade im Sinne der Gleichstellung und Gleichberechtigung war es für Junghannß daher ganz klar, dass er als Lehrer an die Grundschule müsse. Und aufs sächsische Land: „Gerade die brauchen jemanden, der da ein wenig frischen Wind reinbringt.“ 

 

Etwa indem er seinen Schülerinnen und Schülern ganz selbstverständlich beibringe, Dinge zu hinterfragen. Geschlechterklischees zum Beispiel: „Wenn ich beispielsweise mit einem rosafarbenen Hemd in die Schule gehe, finden die Schülerinnen und Schüler das völlig verrückt. ‚Haben Sie ein Frauenhemd an, Herr Junghannß?‘, fragen sie dann. Und ich sage: ‚Rosa ist doch eine schöne Farbe und wenn es mir gefällt, darf ich das doch auch tragen, oder?‘ Das sehen die Kinder dann auch ein.“ 

Der Lehrer ist Lernpartner und Unterstützer in der Persönlichkeitsentwicklung

Ohnehin begreife er sich nicht nur als Wissensvermittler und Lernpartner; die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstbewusstsein seiner Schützlinge zu stärken, stehen für ihn an erster Stelle. „Die Kinder wissen jetzt schon, was sie alles nicht dürfen. Das möchte ich umdrehen: Was heißt zum Beispiel ‚lieb sein‘ in den Klassenregeln und was kannst du aktiv dafür tun? Diese Art der positiven Affirmation ist mir extrem wichtig. Es wird immer nach Fehlern gesucht, aber wir müssen doch die Stärken festigen.“  

 

Lehrerinnen und Lehrer tragen dazu einen großen Teil bei, das müsse aber endlich auch in der Gesellschaft ankommen: „Früher dachte ich in meiner Naivität, Lehrer arbeiten vormittags und haben nachmittags frei … Aber das ist natürlich absolut nicht wahr! Wir arbeiten viel und hart!“ Allein für die Organisation rund um den Unterricht ginge viel Zeit drauf, „eigentlich brauche ich eine Sekretärin!“ 

Lehrer brauchen mehr gesellschaftliche Anerkennung

Trotzdem ist Grundschullehrer nach wie vor Junghannß‘ lang gehegter Traumberuf und er genießt es für seine Schülerinnen und Schüler da zu sein, ihnen ernsthaft zuzuhören. Bindung stehe für ihn vor Erziehung und Bildung: „Überall müssen Kinder funktionieren, aber ich lasse sie gern auch mal Kind sein.“ Annäherung und Austausch seien auch im Kollegium sein Credo: „Ich will eine Verbindung sein zwischen allen – alten Lehrern, neuen Lehrern, Schülern und Eltern.“ Dass er ein guter Lehrer ist, daran zweifelt man kaum. Er hat immerhin seit der 2. Klasse dafür geübt. 

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