Welche Voraussetzungen braucht man für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in Sachsen? Michael Erblich, Lehrer in Sachsen und Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Pflege am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Weißwasser, gibt Einblicke in seinen Berufsalltag. Im Interview berichtet er von seinem Weg aus der Pflege ins Klassenzimmer und erklärt, weshalb das Lehramt am BSZ so praxisnah, vielseitig und sinnstiftend ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Lehrkräfte an Beruflichen Schulzentren in Sachsen unterrichten mit starkem Praxisbezug.
- Besonders in Fachbereichen wie Pflege, Technik oder Sozialwesen ist Praxiserfahrung wertvoll.
- Michael Erblich zeigt im Interview, wie der Weg aus dem Beruf ins Lehramt an einem BSZ führen kann.
Wie sieht die Arbeit als Lehrkraft an einem Beruflichen Schulzentrum aus?
Michael Erblich: Lehrkräfte an einem Beruflichen Schulzentrum in Sachsen unterrichten berufspraktisch und begleiten junge Menschen in ihrer Ausbildung. Sie geben ihnen Orientierung und ermöglichen ihnen, eigene Perspektiven zu entwickeln. Das ist wichtig, weil viele Schülerinnen und Schüler in einer Phase sind, in der sie noch nicht genau wissen, wohin ihr Weg führt.
Die Schülerinnen und Schüler am BSZ Weißwasser sind meist 16 Jahre alt oder älter, aber die Altersspanne reicht durchaus bis Anfang 50. Das macht die Arbeit sehr vielseitig. Für Lehrkräfte heißt das: Sie arbeiten mit jungen Erwachsenen und mit Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen zusammen.
Warum ist Praxiserfahrung für Lehrkräfte am BSZ so wichtig?
Erblich: Ich bin ausgebildeter Krankenpfleger und komme aus der Praxis. Nach mehr als zehn Jahren im Beruf hatte ich den Wunsch nach Weiterentwicklung. Es gab Unterrichtsbedarf an der Krankenhausschule in Görlitz, an der ich selbst gelernt habe. Zuerst habe ich ein bisschen nebenbei unterrichtet. Mein damaliger Chef hat mich dann aber gebeten, auch noch zu studieren.
Also habe ich berufsbegleitend erst meinen Bachelor in Gesundheitswissenschaften an der Charité in Berlin, anschließend den Master für Pflege und Gesundheitswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gemacht. 2017 bin ich an das BSZ Weißwasser gewechselt und habe meine berufsbegleitende Ausbildung im Jahr 2021 mit dem Vorbereitungsdienst abgeschlossen. Mit dem Start der generalistischen Pflegeausbildung haben wir 2020 den Fachbereich Gesundheit und Pflege eröffnet, den ich seit 2021 leite. Dort unterrichten wir angehende Pflegefachkräfte.
Als Musiker spiele ich Schlagzeug, Gitarre und Klavier und unterrichte außerdem Musik bei den Erzieherinnen und Erziehern an der Fachschule Sozialwesen mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik. Wir covern im dritten Ausbildungsjahr immer einen Popsong und führen ihn zum Abschluss auf. Das macht sehr viel Spaß, ist ein schöner Ausgleich für mich und eine große Bereicherung. In beiden Arbeitsfeldern – Pflege und Musik – kann ich mich kreativ einbringen: im Unterricht, in Projekten und auch etwa bei der Frage, wie wir dem Pflegenotstand begegnen können.
Man kann aber ebenso beispielsweise als Tischler oder Metalltechniker ohne grundständiges Studium als Praxislehrer am BSZ einsteigen und dann die Schülerinnen und Schüler in der Ausbildung in der Bauhalle betreuen. In der Pflege entspricht das dem Praxisanleiter.
Deutsch als Zweitsprache ist viel mehr als „trockenes“ Sprache-Lernen. An der Deutschlandkarte hilft Krisztina Juhász ihren Schülerinnen, Bundesländer und deren Hauptstädte richtig zuzuordnen. Foto: Cedric Seidewitz / PIO / SMK
Welche Eigenschaften sollte man als Lehrkraft am BSZ mitbringen?
Erblich: Man muss seinen Grundberuf lieben. Wenn eine Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin in der generalistischen Pflege, ein staatlich anerkannter Sozialpädagoge in der Erzieherausbildung, ein Tischler als Holzmechanik-Lehrer, ein Anlagenmechaniker als Techniklehrer oder ein Informatiker als Informatiklehrer unterrichtet, werden er oder sie ihre Praxiserfahrungen an einer berufsbildenden Schule ganz anders einbinden, als wenn sie das Fach einfach nur studiert, aber nie praktisch in seinem Bereich gearbeitet hätten.
Das führt dazu, dass ich als Lehrer auch im Kollegium mit ganz verschiedenen Menschen umgehen können sollte. Unser Lehrerzimmer sieht wahrscheinlich ziemlich anders aus als an anderen Schulen: Elektroiniker, Deutschlehrerinnen und -lehrer, Tischler, Pflegekräfte, Erzieherinnen und Erzieher. Wir sind eine ziemlich bunte Mischung.
Eröffnung: Schach ist der perfekte Einstieg in eine neue Klasse, eine neue Sprache und neue Lebens- und Lernumgebung. Die DaZ-Schülerinnen und Schülern haben oft schon nach wenigen Minuten ein Erfolgserlebnis. Foto: Cedric Seidewitz / PIO / SMK
Was macht den Beruf als Lehrer an einem BSZ langfristig spannend?
Erblich: Man entfernt sich nie ganz von der Praxis, und das ist ganz wichtig. In meinem Bereich bilden wir in der Schule und in der Praxis in Pflegeheimen und Kliniken aus. Ein Beispiel: Im ersten Ausbildungsjahr befassen wir uns im Lernfeld Gesundheitsförderung und Prävention mit der Frage: „Wie halte ich mich selbst gesund?“ Ich möchte, dass die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Gesundheitsstatus kennen und Tools an die Hand bekommen, um in diesem anstrengenden Beruf selbst gesund zu bleiben. Im zweiten Ausbildungsjahr wird das vertieft. Nur wer gut für sich selbst sorgt, kann für Patientinnen und Patienten ein guter Partner sein.
Man hat als Lehrer außerdem die Möglichkeit, die eigene Fachrichtung weiterzuentwickeln und verliert nie den Anschluss an neue Erkenntnisse und an die Arbeit am Patienten. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen Theorie und Praxis.
Wie bekommt man einen guten Einblick in den Job an einem BSZ?
Erblich: Sich ein BSZ einmal anzuschauen ist ein guter Anfang. Ein Berufliches Schulzentrum ist für viele, die vor dem Studium nur Grundschule und Gymnasium kennengelernt haben, erst einmal eine Blackbox. Das muss nicht sein.
In Weißwasser haben wir im BSZ vier Schulen unter einem Dach. Wir sind Berufsschule in der klassischen dualen Berufsausbildung. In der Berufsfachschule unterrichten wir angehende Sozialassistentinnen und -assistenten, Pflegefachkräfte sowie Krankenpflegehelferinnen und -helfer. Außerdem sind wir Fachschule für Sozialwesen. In der Fachoberschule führen die Fachrichtungen Technik sowie Wirtschaft und Verwaltung zur Fachhochschulreife. Das bietet eine Riesenvielfalt an Berufs- und Unterrichtsmöglichkeiten.
Schritt eins auf dem Weg zur geübten Schachspielerin: Das „Bauerndiplom“ ist das erste „Diplom“, das die Schülerinnen und Schülern in der DaZ-Klasse in dem insgesamt sechsstufigen Brackeler Schachlehrgang erhalten. Foto: Cedric Seidewitz / PIO / SMK
Was macht das Berufliche Schulzentrum Weißwasser in Sachsen besonders?
Erblich: Wir sind eng mit unseren Praxispartnern wie Kliniken und Heimen vernetzt. Gleichzeitig arbeiten wir ebenfalls mit anderen Schulen in Weißwasser zusammen, etwa mit dem Landau-Gymnasium. Ich bin mit Schulleiter Ronny Staudte von der Bruno-Bürgel-Oberschule befreundet. Wir tauschen uns häufig aus. Ich bin zum Beispiel bei Elternabenden an der Oberschule dabei, um den Schülerinnen und Schülern berufliche Perspektiven in meinem Bereich aufzuzeigen.
Wir haben zwar einige polnische Schülerinnen und Schüler bei uns und arbeiten mit dem Klinikum in Spremberg auf brandenburgischer Seite zusammen, aber es spielt uns keine andere Stadt Azubis zu. Ich lebe selbst in Görlitz, pendele nach Weißwasser und habe festgestellt: Egal, wo jemand herkommt, ob aus einer größeren Stadt oder aus einer kleineren wie Weißwasser: Junge Menschen sind sich überall ähnlich, und sie verdienen überall die beste Ausbildung.
Im Laufe der Jahre kamen viele, viele Abschiedsbriefe der Schülerinnen und Schüler zusammen, in denen die DaZ-Schülerinnen und Schüler teils sehr persönlich über ihre Erfahrungen berichteten. Foto: Krisztina Juhász
FAQ: Lehramt an berufsbildenden Schulen in Sachsen
Was ist ein BSZ?
Ein Berufliches Schulzentrum bündelt verschiedene Schularten der beruflichen Bildung unter einem Dach, zum Beispiel Berufsschule, Berufsfachschule, Fachoberschule und Fachschule.
Welche Voraussetzungen braucht man für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in Sachsen?
In der Regel ein Lehramtsstudium, ein berufliches Fach und den Vorbereitungsdienst. Je nach Fachrichtung müssen Fachkenntnisse vorab oder während des Studiums erworben und nachgewiesen werden.
Kann man nur mit Berufserfahrung Lehrer an einem BSZ werden?
Ja. Gerade an berufsbildenden Schulen ist Praxiserfahrung in vielen Fachrichtungen besonders wertvoll, weil sich der Unterricht stark an der beruflichen Praxis orientiert. Es gibt in Sachsen auch ohne klassisch geradliniges Studium Lehrkraft zu werden: etwa über den Seiteneinstieg, als Lehrkraft im fachpraktischen und gerätegestützten Unterricht an BSZ oder als Schulassistenz in Qualifizierung.
Für wen ist der Beruf als Lehrer an einem BSZ geeignet?
Für Menschen, die ihren Grundberuf gern ausüben, ihr Wissen praxisnah weitergeben möchten, Freude am Unterrichten für vor allem junge Erwachsene haben und die gern mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten.
Was unterrichtet man an einem BSZ in Sachsen?
An einem Beruflichen Schulzentrum werden je nach Fachrichtung berufspraktische und fachtheoretische Inhalte unterrichtet, zum Beispiel in Pflege, Technik, Handel, Sozialwesen oder Wirtschaft.
Infokasten: Voraussetzungen für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in Sachsen
- Lehramtsstudium (Bachelor und Master)
- Ein berufliches Fach, zum Beispiel Pflege, Technik, Sozialwesen, Handel oder Wirtschaft
- Je nach Laufbahn praktische Einblicke in ein Berufsfeld
- Der Vorbereitungsdienst (Referendariat)
Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist kein Muss, aber oft von Vorteil. Ein fachlicher Hintergrund ist für den späteren praxisnahen Unterricht besonders wertvoll.