Der Lehrermangel betrifft alle Fächer und Schularten in Sachsen, doch in einem Bereich ist er besonders dramatisch: den MINT-Fächern. Und doch gibt es sie, die jungen, frischen und modernen Lehrer, die die Schönheit des logischen Denkens an neue Generationen weitergeben wollen. Einer von ihnen ist Carsten Albert, der gerade am Leibniz-Institut (IFW) in Dresden promoviert. Warum er Physik und Mathematik auf Lehramt studiert hat, aus welchen Gründen Sachsen für ihn als Wohnort alternativlos ist und wie er als erster Lehramtsstudent überhaupt den Dresden Excellence Award gewonnen hat, erfahrt ihr hier.

Physik und Mathematik auf Lehramt: Fachliches trifft Soziales

Carsten Albert ist ein junger Mann von Mitte 20, der eine angenehme Ruhe ausstrahlt – und eine spürbare Leidenschaft für seinen Beruf. Im Gespräch über sein Lehramtsstudium in den MINT-Fächern Physik und Mathematik und seine Promotion wird schnell klar: Er weiß, wovon er spricht, wo er herkommt und wohin er will.

 

Geboren und aufgewachsen im Vogtland, zieht Carsten 2015 in die sächsische Landeshauptstadt, um an der TU Dresden Physik zu studieren. Ein Jahr später wechselt er an derselben Universität auf Lehramt und wählt Mathematik als zweites Fach: „Physik hat mich schon immer fasziniert, deshalb habe ich damit angefangen. Mathe und Physik waren schon in der Schule meine Lieblingsfächer und ich hatte sie als Leistungskurse. Schon während meiner Schulzeit habe ich gerne Prüfungsvorbereitungskurse für meine Mitschüler abgehalten oder Nachhilfe gegeben.“

 

Als Carsten im ersten Semester Physik studiert, merkt er schnell, dass ihm die soziale Komponente des Erklärens und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fehlen. Das Lehramt für Physik und Mathematik war für ihn die perfekte Lösung, um das Fachliche mit der für ihn wichtigen sozialen Aspekten zu verbinden. Aus fachlichem Interesse schloss Carsten parallel zu seinem Lehramtsstudium den Bachelor in Physik ab.

 

Und warum Dresden? „Dafür gab es mehrere Gründe, aber vor allem die Nähe zu meinem Heimatort und meinen Eltern. Die attraktive Stadt und der gute Ruf der Universität waren weitere Faktoren, die für Dresden sprachen.“

 

Seine Studienzeit in der Elbstadt beschreibt er dank des vielfältigen Kultur- und Freizeitangebots als „rundum schön“. Auch die TU Dresden selbst sei empfehlenswert – vor allem in den Fächern Mathematik und Physik. „Außerdem ist Dresden ein florierender Wissenschaftsstandort. Aus all diesen Gründen und wegen meiner aktuell laufenden Promotion steht es aktuell nicht zur Diskussion, die Region zu verlassen“, ergänzt der angehende Lehrer.

MINT: Lösungen für die komplexen Probleme unserer Zeit?

An den Naturwissenschaften fasziniert Carsten vor allem „die klare Logik“. Er selbst sei ein strukturierter Denker, was gut zu den Fächern passe: „Sie erfordern das Verständnis von Konzepten und bieten oft die Möglichkeit, komplexe Probleme auf grundlegende Prinzipien zurückzuführen. Es sind keine reinen ‚Auswendiglernfächer‘. Das Schöne ist, dass man durch die MINT-Fächer lernt, dass komplexe Dinge in sich logisch aufgebaut sind.“

 

Ob Klimawandel, Hungersnöte oder Bevölkerungswachstum: Die jungen Generationen sehen einer Zukunft voller Krisen entgegen. Wo liegen die Lösungsansätze? „Zu einem großen Teil in den Inhalten der MINT-Fächer“, sagt Carsten. Aber warum? Er nennt zwei Hauptgründe:

 

„Erstens sind die MINT-Fächer eine Art Denkschule. Das gilt vor allem für die Mathematik. Neben dem Lernen von Inhalten geht es darum, wie man Probleme angeht und löst. Man erwirbt viele übergeordnete Fähigkeiten, die sich nicht nur auf die Inhalte beschränken“, so der angehende Physik- und Mathematiklehrer: „Und zweitens sind MINT die Basis für alle Technologien von heute und morgen.“

 

Angesichts der vielfältigen Herausforderungen, vor denen wir stehen, sei ein technologischer Ansatz in vielerlei Hinsicht unverzichtbar: „MINT ist die Basis für diese Technologien.“

Wie sich Lehrtätigkeit und Bildungsforschung vereinen lassen

Carstens Leidenschaft für die MINT-Fächer und den Lehrerberuf spiegelt sich auch in seinem Engagement in diesem Bereich wider: „Die Arbeit im Bildungsbereich macht mir sehr viel Spaß. Ich interessiere mich nicht nur für das Unterrichten, sondern auch für die Forschung.“

 

Bereits während seines Studiums arbeitet Carsten deswegen als studentische Hilfskraft am Leibniz-Institut* für Festkörper- und Werkstoffforschung in der Wissenschaftskommunikation. Nach Carstens Staatsexamen bietet ihm das Institut in einer besonderen Kooperation mit der TU Dresden und dem von Bund und Ländern geförderten Exzellenzcluster ct.qmat eine Promotion im Bereich der Bildungsforschung mit dem Schwerpunkt Physikdidaktik an. „Normalerweise steht das Institut für Physik- und Materialforschung, aber indem es die Forschung in diesem Bereich unterstützt, fördert es langfristig auch den eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs und stärkt die Wissenschaftskommunikation.“

Als Forschungsthema hat er sich die Vermittlung von Quantenphysik in der Schule ausgesucht. Das Thema habe er während seiner Staatsexamensarbeit entdeckt und als äußerst spannend empfunden. Sein Forschungsziel: die Entwicklung eines Lehrkonzepts, um jungen Schülern, insbesondere der 9. Klasse, die Grundlagen der Quantenphysik zu vermitteln: „Die Chance, die mir das Leibniz-Institut  zusammen mit der Professur für Didaktik der Physik an der TU Dresden und dem Exzellenzcluster ct.qmat bietet, aktiv an der Gestaltung zukünftiger Bildung mitzuwirken, musste ich daher einfach nutzen. Zumal ich durch meine Forschung mit vielen verschiedenen Schulen zusammenarbeiten kann, was ich bereichernd finde.“

Wichtiges Zeichen: Die Verleihung des Dresden Excellence Award

Carstens Einsatz für die MINT-Fächer an sächsischen Schulen wurde bereits mehrmals ausgezeichnet. Im Frühjahr 2023 wurde er vom Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert mit dem Dresden Excellence Award speziell für seine Abschlussarbeit im ersten Staatsexamen ausgezeichnet: „Ich war der erste Lehramtsstudent, der diesen Preis bekommen hat. Das zeigt, dass das Lehramtsstudium, obwohl es manchmal von anderen Studiengängen unterschätzt wird, auch fachliche Anerkennung verdient und bekommen kann“, meint Carsten.

 

Kurz zuvor bekam er die Victor-Klemperer-Urkunde verliehen: Eine Auszeichnung für hervorragende Studienleistungen als einer der besten Absolventen des Studienjahres 2021/2022 am Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB), verliehen von der Rektorin der TU Dresden, Prof. Dr. Ursula M. Staudinger.

Tipps für das Studium der MINT-Fächer auf Lehramt

Ob er einen Tipp für diejenigen hat, die über ein MINT-Lehramtsstudium nachdenken? „Früh übt sich! Denn unsere Abbrecherquoten sind ein großes Problem.“ Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Organisation eine Herausforderung sein kann: „Das Lehramtsstudium sollte nicht unterschätzt werden, genauso wie der Lehrerberuf insgesamt nicht unterschätzt werden darf“, empfiehlt Carsten: „Es braucht mehr Anerkennung für den Lehrerberuf, aber insbesondere auch für das Studium der MINT-Fächer auf Lehramt. Das Studium ist durch die Kombination von zwei Fächern und den Bildungswissenschaften fachlich hoch anspruchsvoll.“

 

Während des Studiums hat er selbst bereits an einer benachbarten Schule angefangen, Nachhilfe in Mathematik im GTA-Bereich zu geben. „Das Studium an der Universität bleibt theoretisch, auch wenn es Praktika gibt. Die wöchentliche Arbeit in der Schule hat mir geholfen, in der Schulpraxis und im Rhythmus des Erklärens zu bleiben.“ Die Lehrerschaft sei sehr offen gewesen und habe ihn direkt eingebunden.

 

Im vergangenen Schuljahr hat er neben dem allgemeinen Förderunterricht sogar die Begabtenförderung an dieser Schule übernommen. Ab diesem Schuljahr stellt er sich einer neuen Herausforderung und übernimmt eine 8. Klasse in Mathematik: „Anstatt des Förderunterrichts werde ich nebenberuflich einen regulären Lehrauftrag an einem Dresdner Gymnasium im Rahmen der Unterrichtsversorgung übernehmen, um Unterrichtserfahrung zu sammeln“, erzählt Carsten und ergänzt: „So helfe ich außerdem dabei, den Unterrichtsausfall aufgrund des Lehrermangels zu reduzieren.“

* Die Leibniz-Institute sind ein Zusammenschluss von 97 Instituten aus ganz Deutschland, darunter rechtlich, wissenschaftlich und wirtschaftlich selbstständige Forschungseinrichtungen.

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