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Nicht selten führen Umwege genau an den richtigen Ort. So veränderten bei der Englisch- und Deutschlehrerin Marie-Christin Vollroth die Entscheidung gegen das große Latinum und ein Auslandsaufenthalt ihre ursprünglichen Pläne. Sie wechselte deshalb im Studium vom Gymnasial- zum Oberschullehramt – und fand so ihre wahre Berufung als Lehrerin in Sachsen. Nun übt sie an manchen Tagen gleich drei Rollen aus – als Lehrerin an der Petrischule in Leipzig, als Fachausbildungsleiterin angehender Lehrkräfte und als Fachberaterin für Englisch beim Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) am Standort Leipzig.
Aufgewachsen in einem kleinen Ort im ehemaligen Sperrgebiet, war die Berufswahl für Marie-Christin Vollroth nach dem Abitur zunächst nicht einfach. „Ich entschloss ich mich, in die Fußstapfen meiner Mutter zu treten und auch Lehrerin zu werden“, erzählt die 45-Jährige. Ursprünglich sollte es das Gymnasium werden, doch Marie-Christin Vollroth traf wegen des geforderten großen Latinums eine Entscheidung, die ihre Pläne änderte. „Nach wie vor denke ich, dass das Latinum absolut überbewertet für die Ausbildung zum Lehrer für Englisch oder Deutsch ist.” Nach einem Auslandsaufenthalt in den USA wechselte sie von der Friedrich-Schiller-Universität Jena an die Universität Leipzig zum Studium für das Lehramt an Oberschulen – „ohne zu wissen, was mich dort erwartet. Ich bin aber froh, dass alles so gekommen ist und total happy an der Oberschule.“
Der entscheidende Moment im Vorbereitungsdienst: „An der Oberschule Bad Düben, meiner Ausbildungsschule im Leipziger Norden, fühlte ich mich sofort angekommen, nicht zuletzt dank der großartigen Unterstützung meiner Mentorinnen.“ Was macht die Oberschule so besonders? „Die Vielfalt an Lebensgeschichten, denen ich dort täglich begegne, ist herausfordernd. Und genau das macht den Beruf so dynamisch und erfüllend. Vieles ist persönlicher, die Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern sind oft enger. Außerdem brauchen die Kids zusätzliche Unterstützung – fachlich, aber oft auch emotional. Mein Ziel ist es, sie zu stärken, zu motivieren und ihnen Mut zu machen, ihren eigenen Weg zu gehen.”
Englischunterricht bei Marie-Christin Vollroth: Was war da doch gleich am Loch Ness? (li.) Und Umweltverschmutzung an Meer und Küste – über Fotos und Präsentationen aus dem echten Leben kommen die Schülerinnen und Schüler ins Reden. Fotos: privat
Marie-Christins Lieblingsfach ist „ganz klar Englisch. Die kulturelle Vielfalt, die Themen rund um England, die USA oder Australien, kombiniert mit dem Training der sprachlichen Kompetenzen, bereiten mir große Freude.“ Die Unterrichtsvorbereitung fasziniert sie besonders. „Ich liebe das Eintauchen in neue Inhalte, das kreative Aufbereiten von schülernahen Themen und das Ausprobieren digitaler Tools und verschiedener Methoden.“
Der Schulalltag ist nur ein Teil von Marie-Christins vielfältigen Tätigkeiten. Als Fachausbildungsleiterin für die Fachdidaktik Englisch leitet sie momentan zwei Fachgruppen, konzipiert und hält seit elf Jahren Seminare auf Grundlage des Ausbildungscurriculums. Außerdem begleitet sie Lehrkräfte in Ausbildung und Seiteneinsteiger individuell. „Ich mache regelmäßig Unterrichtsbesuche an Ausbildungsschulen, tausche mich mit Mentoren sowie Schulleitungen aus und begleite die fachliche Entwicklung der angehenden Lehrkräfte.“ Bei der zweiten Staatsprüfung bewertet sie die angehenden Lehrerinnen und Lehrer in Lehrproben und mündlichen Prüfungen.
Als Fachberaterin für Englisch unterstützt Marie-Christin das Landesamt für Schule und Bildung oder LaSuB – die Schulaufsichtsbehörde – bei der Qualitätssicherung der Lerninhalte. Sie besucht Berufseinsteiger, Seiteneinsteiger, ausländische Lehrkräfte sowie schulartfremde Kolleginnen und Kollegen, berät sie in methodisch-didaktischen Fragen und begleitet sie in ihrer Unterrichtsentwicklung. Sie ist außerdem regelmäßig auf Rundreise zu „ihren“ 15 Oberschulen in und um Leipzig herum: „Ich versuche alle Englischteams persönlich zu besuchen, denn der direkte Austausch ist mir besonders wichtig.“
Unterricht in einer modernen Oberschule hinter historischer Fassade: Die seit 1832 existierende Petrischule war seinerzeit die erste Bürgerschule zu Leipzig. Foto: privat
„Ich sehe mich als Impulsgeberin“, sagt Marie-Christin über ihre Rolle als Fachberaterin. „Ob in Fachkonferenzen oder individuellen Beratungen: Ich bringe neue Ideen ein, unterstütze und helfe dabei, die Qualität des Unterrichts weiterzuentwickeln.“ Marie-Christin entwickelte praxisnahe Fortbildungen, die ihren Kolleginnen und Kollegen neue Ideen für den Unterricht bieten. „Es gibt immer unterschiedliche Herangehensweisen an die Vermittlung von Lerninhalten. Deshalb zeige ich Alternativen auf, gerade weil wir es an Oberschulen oft mit sehr heterogenen Lerngruppen zu tun haben. Im Rahmen des aktuellen Maßnahmenpakets wurden die für die Arbeit der Fachberater und in der Fachausbildung vorgesehenen Stunden gekürzt. Das ist insbesondere deshalb schwierig, da an Oberschulen weiterhin einen hohen fachlicher Unterstützungsbedarf haben.“
Nicht weniger wichtig ist es ihr, die Digitalisierung des Unterrichts voranzutreiben – von Fortbildungen zum Einsatz von KI bis zu digitalen Tools für den Englischunterricht. „Ziel ist es, Lehrkräfte fit zu machen für die digitale Gegenwart. Digitalisierung gehört längst zum Schulalltag. KI ist ein toller Ideengeber und unterstützt viele Kolleginnen und Kollegen. Ich plane meine Stunden lieber selbst, passe sie aber individuell an die Klassen an. Für Texte, Bilder oder fremdsprachige Audios sind KI-Tools großartig.“
Marie-Christins zweite Staatsprüfung vor 16 Jahren war ein Erlebnis in vielerlei Hinsicht: „Ich habe mit meiner Englischklasse eine Fashion Show auf Englisch organisiert. Die Schülerinnen und Schüler präsentierten ihre Lieblingsoutfits auf einem selbstgebauten Laufsteg während zwei andere die Show live moderierten.“ „Showtime“ war am Nachmittag in der Aula der Oberschule Bad Düben; ein Freund zeichnete die Show per Video auf. „Es war großartig zu sehen, mit wie viel Begeisterung und Kreativität alle bei der Sache waren. Das war ein echtes Gemeinschaftsprojekt, das bei vielen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.“
Gemeinschaftswerk mit viel Spaß und prachtvoller Deko: Der Petriball im Beethovensaal ist alljährliches Highlight im Schuljahr, bei dem Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Ehemaligen, Lehrkräften und Schulsozialarbeitern feiern. Foto: privat
Ein anderes, wiederkehrendes Highlight ist der jährliche Schulball: „Er wird unter anderem von Kollegen, Schulsozialarbeitern, engagierten Eltern und Schülern gemeinsam organisiert. Es gibt selbstgemachtes Essen aus unserer Schulküche und viele coole Aktivitäten wie beispielsweise eine Beauty-Station, an der sich die Kids professionell schminken lassen können. Die Schülerinnen und Schüler machen sich schick und erfahren die Schule einmal nicht nur als Ort des Lernens, sondern als einen Ort des Feierns. Besonders schön ist, dass auch viele ehemalige Schüler kommen. Dieser Abend ist geprägt von guten Gesprächen und es bewegt mich immer wieder zu sehen, welche Wege die Jugendlichen eingeschlagen haben und was aus ihnen geworden ist. Meine wohl bekannteste Schülerin dürfte Katja Krasavice gewesen sein. Ich denke, die meisten wissen, was sie inzwischen macht.“
Ihre eigene Schulzeit war prägend für Marie-Christins Unterrichtsgestaltung – im Guten wie im Schlechten: „Ich erinnere mich an Lehrer, die fachlich gut, aber menschlich sehr distanziert waren. Das wollte ich unbedingt anders machen, einen lebendigen, kommunikativen und abwechslungsreichen Unterricht gestalten. Bei mir sollen sich die Schülerinnen und Schüler gesehen und ernst genommen fühlen.“ Gerade der eigene Englischunterricht war seinerzeit eher abschreckend. „Wir haben beinah ausschließlich Texte übersetzt. Gesprochen wurde kaum, von Methodenvielfalt ganz zu schweigen. Kurz gesagt: Es war einfach langweilig.“
Ein Vorbild für den Lehrberuf ist Marie-Christins Mutter, Cornelia Seifert, die ihre Tätigkeit als Lehrerin und Schulleiterin mit großem Engagement und Herzblut ausübte. Sie wurde im Herbst 2023 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. „Die ganze Familie durfte sie begleiten. Das war ein unvergesslicher Moment.“
Trotz aller Herausforderungen ist sich Marie-Christin Vollroth sicher: „Lehrerin oder Lehrer zu sein bedeutet, fachlich und menschlich in Bewegung zu bleiben. Kein Tag ist wie der andere, jede Klasse ist anders, und mit jedem Schuljahr lerne ich selbst weiter hinzu.“ Empathie, Humor, Standfestigkeit und Teamfähigkeit sowie die Bereitschaft, sich permanent selbst zu reflektieren seien entscheidend für das Gelingen. „Die wichtigste Fähigkeit überhaupt ist für mich, eine echte Beziehung zu Kindern und Jugendlichen aufzubauen. Wer kein Gespür für junge Menschen hat, wird in diesem Beruf langfristig unglücklich und kann auch die Kinder nicht erreichen.”
Lehrerin? Nach wie vor ein großartiger Beruf, der sehr erfüllend sein kann, findet Marie-Christin.
Manchmal führt der Weg zum Lehramt über verschlungene Pfade und Umwege. Steve Hoppe, Diplom-Sportlehrer aus Leipzig, arbeitete lange in der Messebranche, bevor er als Seiteneinsteiger noch einmal studierte und Grundschullehrer wurde. Heute ist er Silbensprachen-Fan und bringt den Schülerinnen und Schülern in der Grundschule am Gutspark Paunsdorf neben Sport und Mathe gern auch die deutsche Sprache näher.
„Der Mann hat Sport studiert, der kann das auch kleinen Kindern beibringen.“ So beschreibt Steve Hoppe als Sportlehrer an der Gutsparkschule seinen Seiteneinstieg in die Grundschule. Das gebrochene Handgelenk einer Sportlehrerin ermöglichte ihm im Mai 2016 den ersten Alltagskontakt mit dem Lehrerberuf. Der Sportwissenschaftler und Diplom-Sportlehrer sprang mit einem Lehrauftrag als Vertretung an der 9. Grundschule Leipzig ein. Mit Erfolg: Der Schulleiter wollte ihn nicht gehen lassen. Hoppe wollte bleiben und übernahm zwei weitere befristete Aufträge.
Ganz nahtlos ging der Wechsel vom Diplom-Studium zum Grundschul-Sportunterricht dann aber doch nicht. Zu unterschiedlich ist die Vermittlung der Inhalte. Während für Erstklässlerinnen und Erstklässler eine Rolle vorwärts beispielsweise in Scheibchen filetiert und entsprechend aufgebaut gelehrt wird, wird sie bei Älteren vorausgesetzt. Dennoch fiel Hoppe der Einstieg leicht: „Ich hatte das ganz große Glück, in Ruhe zu schauen, wie Schule überhaupt funktioniert, vom Unterrichtsaufbau bis zur Dienstberatung“, erinnert er sich an seine Anfänge. „Ich wurde nicht ins kalte Wasser geworfen. Ich habe eine vierte Klasse in Sport mit drei Unterrichtsstunden in der Woche allein unterrichtet und konnte bei den anderen Kolleginnen und Kollegen mitlaufen. Das hat mich motiviert, ganz in diesen Beruf zu gehen.“
Als junger Mann wäre der Lehrerberuf für ihn nicht infrage gekommen: „Als ich selbst aus der Schule kam, war überhaupt nicht daran zu denken, dorthin als Lehrer zurückzukehren.“ Eigentlich wollte Hoppe nach seinem Sportwissenschaftsstudium ins Sportmarketing einsteigen. Doch er fand keinen Praktikums- oder gar Arbeitsplatz in den begehrten Verbänden oder Unternehmen. So arbeitete er lange, erfolgreich „und mit gutem Verdienst“ in der Messebranche für große Autohersteller. Ein umtriebiges Leben, aber immer weniger befriedigend. „Es war ein hoher Aufwand, Geldverdienen und Familie zu vereinen und meinen Sohn wenigstens einen halben Monat zu sehen. Ich habe mir wirklich viele Gedanken gemacht, wie es mit einer echten Perspektive weitergehen soll.“ Den entscheidenden Hinweis gab ein Freund, der in der Schule von Hoppes Sohn unterrichtete. An ihn wandte er sich, als er von der Möglichkeit des Seiteneinstiegs erfuhr. „Es gab einen Riesen-Lehrermangel.“
Für Erwachsene eine einfache Bewegungsabfolge, doch für Kinder muss eine Rolle vorwärts in einzelne, nachvollziehbare Sequenzen aufgeteilt werden – so wie es Sportlehrer Steve Hoppe vormacht. Fotos: Laura Dathan
Im April 2017 wurde Steve Hoppe nach seinem erfolgreichen Einstieg an der 9. Grundschule für zwei Wochen an die Grundschule am Gutspark Paunsdorf abgeordnet. „Man brauchte dringend einen Sportlehrer.“ Die Perspektive auf eine Festanstellung gab es jedoch nur unter der Bedingung, ein Weiterbildungsstudium an der Uni Leipzig zu absolvieren. Zwei Jahre später, mit zusätzlichem Wissen in Mathematik, Deutsch und Sachunterricht sowie nach einem auf ein Jahr verkürzten Vorbereitungsdienst war Hoppe voll ausgebildeter Grundschullehrer.
An der Schule am Gutspark erlebte er in seiner ersten eigenen Klasse eine Überraschung: Er fand Spaß an der deutschen Sprache und am Deutschunterricht. „Sport und Mathe habe ich von Anfang an gern gemacht. Aber Deutsch war vor allem in der Sekundarstufe II mit ‚Faust‘ und dem vielen Lesen und Analysieren so überhaupt nicht mein Ding“, erinnert sich Hoppe. „Ich habe mich im Studium noch einmal ganz anders damit beschäftigt und seitdem eine große Freude beispielsweise an den Mustern und Regelmäßigkeiten in der deutschen Sprache.“ An Verb-Endungen etwa, die beinah immer mit ‚en‘ funktionieren. Oder an der Trennung von Lauten und Buchstaben. Die Kinder lernen erst die Silbenstruktur, suchen und entdecken dann die Vokale selbst: „Deutsch ist eine Silbensprache.“
Der Weg zur festen Stelle und späteren Verbeamtung führte über eine Kombination von Theorie und Praxis im Weiterbildungsstudium. Die Seiteneinstiegsstudierenden sind drei Tage in der Woche an der Schule und zwei Tage in der Uni. Da die meisten von ihnen schon älter sind und Familie haben, ist die finanzielle Seite nicht unwichtig. Steve Hoppe war jede Woche mit 16 „Arbeitsstunden am Kind“, so der Fachausdruck, in der Schule. Zusätzlich wurden ihm sechs „Abminderungsstunden“ bezahlt.
„Man kann maximal 27 Stunden in Vollzeit unterrichten. Ich hatte 22 Stunden, und so kam es auch wirtschaftlich hin. Mehr geht auch nicht. Man braucht viel Zeit unter der Woche und in den Ferien zum Lernen und für die Prüfungsvorbereitungen.“ Für manche Kolleginnen und Kollegen läuft die Zeit zudem – in Sachsen ist mit 42 Jahren Schluss für eine Verbeamtung, die neben der Sicherheit mehr Geld aufs Konto bringt. Steve Hoppe ist 41 Jahre alt und schaffte alles ohne zusätzlichen Druck rechtzeitig.
Anpfiff: Steve Hoppe lässt die Kinder in der Grundschule am Gutspark Paunsdorf am liebsten im Sportunterricht spielen. Das lehrt sie Fairplay und Benehmen – sprichwörtlich fürs Leben und nicht nur für die Schule. Fotos: Laura Dathan
Sportunterricht ist für Steve Hoppe weiterhin die Nummer eins. „Am liebsten lasse ich die Kinder spielen“, sagt er. Spielen bedeute in jeder Stufe etwas anderes – in der ersten Klasse können das zum Beispiel Fangspiele sein. In ihnen lernen die Schülerinnen und Schüler einiges fürs Leben – Benehmen und Fairness etwa. „Wie ich jemand richtig tippe, müssen die Kinder oft erst lernen. Tippen heißt nicht jemanden zu schubsen. Das ist in der ersten Klasse nicht so einfach zu vermitteln.“
Außerdem sei es wichtig, den Kindern faires Verhalten beizubringen. „Wenn jemand Schmu macht, sehen die anderen Kinder das und ich auch.“ Deshalb müsse immer wieder miteinander besprochen werden, ob etwas korrekt gelaufen ist. „Im Sport lernen die Kinder außerdem, dass Training etwas bringt und jede Leistung zum Erfolg der ganzen Gruppe beiträgt.“
Steve Hoppe ist froh und zufrieden mit seinem inzwischen gar nicht mehr so neuen Beruf als Grundschullehrer. Die Entscheidung für den Seiteneinstieg war die richtige: „Ich bin von dem Konzept überzeugt. Wichtig ist, dass man eine Grundlage hat.“
Nach mehr als acht Jahren im Job weiß Steve Hoppe, worauf es als Grundschullehrer ankommt:
Um den Lehrermangel abzumildern, können an Sachsens Schulen und in bestimmten Bereichen Personen ohne Studium und mit Berufsabschluss als Lehrkräfte eingesetzt werden. Das sieht ein neuer Erlass von Kultusminister Conrad Clemens vor.
„In Vorbereitung auf das kommende Schuljahr haben wir die Einstellungsmöglichkeiten erweitert, um neue Zielgruppen für den Einsatz an Schulen gewinnen zu können. Wir wollen damit die Unterrichtsversorgung in bestimmten Bereichen verbessern und die Lehrkräfte entlasten“, so Kultusminister Conrad Clemens. Für das kommende Schuljahr können sich danach Interessenten ohne Hochschulausbildung bewerben. Bislang mussten Seiteneinsteigende in der Regel mindestens einen Bachelor-Abschluss von einer Hochschule vorlegen. Der Einsatz des neuen Personenkreises bleibt allerdings auf bestimmte Fächer und Bereiche beschränkt.
Für die Unterrichtsabsicherung in den Grundschulen im Fach Sport, Lernbereich „Schwimmen“ können Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigt werden, wenn sie über einen Berufsabschluss als Fachangestellte/Fachangestellter für Bäderbetriebe oder vergleichbares verfügen.
Zudem müssen die Bewerber eine einschlägige Praxiserfahrung von mindestens fünf Jahren in der Leitung von Kursen im Schwimmanfangsunterricht nachweisen. Die Personen müssen in der Methodik und Didaktik des Schulschwimmens ausgebildet sein und mindestens das Deutsche Rettungsschwimmerabzeichen in Bronze besitzen.
Für den besonderen Bildungsweg ‚Produktives Lernen‘ an Oberschulen können sich Personen bewerben, wenn sie über einen Berufsabschluss als Meister oder Techniker verfügen und die Ausbildereignung nachweisen. Zudem müssen sie über eine Berufserfahrung im Umfang von mindestens fünf Jahren verfügen.
Bewerben können sich auch Personen ohne Hochschulabschluss ausschließlich für den Einsatz in den Fächern Musik und Kunst an berufsbildenden Schulen sowie in den Klassenstufen 5 und 6 an Oberschulen und im Fach Sport an Oberschulen, Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und berufsbildenden Schulen.
Für die Unterrichtsabsicherung in diesen Fächern können mit Zustimmung und Beteiligung der Schulleitung Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigt werden, die einen Berufsabschluss in einem tätigkeitsbezogenen anerkannten Ausbildungsberuf oder im Fach Sport über eine gültige Trainerlizenz A/B/C verfügen. Zudem müssen praktische Erfahrungen von mindestens fünf Jahren nachgewiesen werden.
Der Start in die Tätigkeit als Lehrkraft wird für alle mit einer dreimonatigen Einstiegsqualifizierung vorbereitet.
Ausgebildete Lehrkräfte und für einen Seiteneinstieg interessierte Personen können sich ab dem 31. März 2025 auf dem Bewerbungsportal für die Einstellung bewerben.
Weil du als Generalist dein theoretisches Wissen immer in der Praxis anwendest und mit deinen Schülerinnen und Schülern unmittelbar die gebauten Objekte, Maschinen oder Modelle siehst. Weil du je nach Projekt deine Zeit in lebhaften Werkräumen oder draußen verbringen wirst. Und weil kein Tag dem anderen gleicht. Denn so wie deine Schülerinnen und Schüler den Unterricht kreativ mitgestalten, so unterschiedlich werden die Ergebnisse ausfallen.
Nicht zuletzt, weil du gute Berufsaussichten als Lehrer in Sachsen hast: Grundschullehrer und Sonderpädagogen sind mit oder ohne Schwerpunkt Werken gefragt. An einer Grundschule wirst du fächerübergreifend jüngere Kinder mit Augenmerk auf Technik im Alltag unterrichten. Als Sonderpädagoge wiederum arbeitest du in einer Förderschule oder in einer Regelschule mit inklusivem Schwerpunkt. Dort kannst du Kinder und Jugendliche in ihren motorischen und kognitiven Fähigkeiten stärken.
Du wirst wahrscheinlich sogar aus mehreren Angeboten wählen können, insbesondere, wenn du dich nach dem Examen für eine Stelle in ländlicheren Regionen bewirbst.
Einen Lötkolben von einem Joystick unterscheiden zu können, ist bestimmt eine gute Voraussetzung für das Werken-Studium – Theoretiker wählen besser ein anderes Studienfach. Ein gutes Verständnis für Physik, Chemie, Biologie und Wirtschaft und ihre praktische Anwendung ist ebenfalls wünschenswert. Sechs Pflichtpraktika erwarten dich ohnehin im Rahmen deines Grundschulstudiums in Sachsen, aber vielleicht überlegst du, vorab länger in dein künftiges Fach und die Aufgabengebiete im Beruf hineinzuschnuppern? Freiwillige Praktika in einer Schule sind möglich. In einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) Pädagogik an einer Schule hast du vor Studienbeginn ebenfalls die Möglichkeit herauszufinden, ob du deine Erwartungen an den Lehrerberuf und die Schulrealität zueinander passen.
Neben didaktischen Methoden lernst du im Studium viel für deine praktische Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern. Projektmanagement und Arbeitssicherheit sind ebenfalls Teil deines Studiums.
Je nach Klassenstufe sind die Aufgaben, die du mit den Schülerinnen und Schülern bearbeitest und die Projekte, die du mit ihnen umsetzt, unterschiedlich komplex: Mit jüngeren Grundschülerinnen und -schülern wirst du eher aus Papier und Holzspieß einen Luftschrauber oder ein mittelalterliches Spielzeug mit Leinen, Leder und Steinen bauen. Mit älteren Schülerinnen und Schülern kannst du etwa eine Miniatur-Wasserkraftanlage oder ein Fachwerkhaus mitsamt Holzkonstruktion planen und errichten. In jedem Fall bist du dicht dran an der Lebensrealität deiner Schülerinnen und Schüler – wenn du beispielsweise mit ihnen einen Spielplatz erkundest, die Konstruktion der Geräte analysiert und sie mit ihnen im Modell nachbaust.
An den sächsischen Universitäten kannst du Werken auf Grundschullehramt oder auf Lehramt Sonderpädagogik studieren. In Kombination mit den sogenannten Studierten Fächern wie Deutsch und Mathematik kannst du in Chemnitz, Dresden und Leipzig im Rahmen der vier zusätzlichen Grundschuldidaktiken einen weiteren Schwerpunkt auf Werken, Kunst, Musik oder Sport legen. Schau dir die Möglichkeiten, Fächer miteinander zu kombinieren, im Detail an; sie variieren von Hochschule zu Hochschule. Die Universität Leipzig bietet außerdem als einzige der sächsischen Unis Werken als eine Grundschuldidaktik im Lehramtsstudiengang Sonderpädagogik an. Du solltest dich außerdem genau über weitere Studienvoraussetzungen wie einen Numerus clausus (NC), Praktika für das Lehramtsstudium oder ein phoniatrisches Gutachten für den Sprechberuf Lehrer informieren – damit du das zu dir passende Studium findest und zügig durchstarten kannst.
Nach einigen Jahren in der freien Wirtschaft ging es für Michael Junghannß zurück zum Ursprung. In diesem Jahr schließt er seinen Vorbereitungsdienst an einer sächsischen Grundschule ab und übernimmt dann als vollausgebildeter Lehrer die Leitung einer ersten Klasse – ganz so, wie eigentlich es immer sein Plan war.
„Eigentlich wollte ich schon seit der zweiten Klasse Lehrer werden“, erzählt Michael Junghannß. „Ich wurde sogar damals von meinen Mitschülern als Herr Lehrer angesprochen“, sagt er lachend. Gerade beendet er seinen Vorbereitungsdienst und übernimmt danach eine Grundschulklasse als Klassenlehrer. Doch bis dahin war es ein langer und kurvenreicher Weg.
Nach dem Abitur im sächsischen Neustadt an der tschechischen Grenze geht Junghannß für zwei Jahre zur Bundeswehr. Danach zieht es ihn nach Dresden, wo er geboren wurde und aufwuchs bevor er mit seinen Eltern in die Kleinstadt zog. „Ich wollte einfach unbedingt nach Dresden, weil ich diese Stadt liebe. Es ist so schön zum Wohnen, die Leute sind nett. Vor allem, wenn man weiß, wie man sie nehmen muss“, scherzt Junghannß. Überhaupt lacht er viel, nimmt vieles mit Humor – man kann sich vorstellen, dass seine Schülerinnen und Schüler ihn schätzen. Etwas ernster fügt er hinzu: „Außerdem: Wenn alle hier abhauen, dann wird es ja nicht besser!“
Mit Kindern konnte er schon immer gut, und weil der Bedarf an männlichen Lehrkräften an Grundschulen so hoch ist, nahm er 2006 sein Studium zum Grundschullehramt an der TU Dresden auf. Neben den drei Grundschulfächern Deutsch, Mathe und Sachunterricht schrieb er sich für Philosophie/Ethik als Ergänzungsfach ein. „Im Ethikunterricht stehen die Kinder im Fokus. Das war genau das, was ich wollte.“ Das Philosophiestudium beeindruckt ihn, bringt ihn auch privat stark ins Reflektieren.
Bis heute bezeichnet Junghannß sich als Idealist. Als junger Mann will er etwas bewirken, engagiert sich im Fachschaftsrat, knüpft zahlreiche Kontakte. Seine Ausbildung als Lehrer hätte er eigentlich 2011 abschließen können. Direkt danach zurück an die Schule zu gehen, konnte er sich jedoch nicht vorstellen: „Das machen viele und das ist auch toll. Aber ich wollte noch etwas sehen von der Welt und bin ein Jahr nach Australien gegangen.“
Diese Zeit im Ausland erweitert seinen Horizont; er nimmt vieles für sich persönlich mit: Empathie, auf Menschen zuzugehen, auch wenn die Verständigung schwierig ist. Heute nützten ihm diese Erfahrungen im Umgang mit Kindern, berichtet er.
Australien aber ist teuer. Als Junghannß zurückkehrt, ist erst einmal das Geld knapp. Zuerst verdingt er sich als Tutor an der TU Dresden, erledigt dann immer mehr Promo-Jobs in der Gastronomie. Auch dort nützt es ihm, dass er leicht auf Fremde zugehen kann. 2014 nimmt er einen Job bei einer Agentur an, bevor er ein Jahr später sein Erstes Staatsexamen schreibt. Durch einen unglücklichen Zufall kann er seinen Vorbereitungsdienst nicht direkt anschließen. Also bleibt er erst einmal im Sales Marketing. Nur für ein Jahr, bis er im darauffolgenden sein Referendariat beginnen kann – denkt er. Doch es kommt anders: Er bleibt, kommt in der Branche viel herum.
Ein großer Schritt in die Zukunft: 2020 arbeitet Junghannß als Gebietsverkaufsleiter in Leipzig/Dresden für eine Spirituosenfirma als seine Tochter zur Welt kommt. Durch die Zeit mit ihr beginnt er, sich auf sein ursprüngliches Vorhaben zurückzubesinnen. In ihm regt sich eine Stimme: „Ich hab‘ das doch mal studiert! Seit der zweiten Klasse will ich mit Kindern arbeiten und bin dann irgendwie auf Umwege geraten.“
Missen möchte er diese Erfahrungen um nichts in der Welt: „Alles, was ich privat und beruflich erleben und sehen wollte, habe ich gehabt!“ Immer wieder wird er gefragt, warum er nicht in Hamburg oder Berlin lebe. Doch schon zu Studienbeginn kam ein anderes Bundesland für Junghannß nicht infrage: „Ich wollte immer in Sachsen bleiben, denn das ist mein Zuhause. Ich werde hier einfach gebraucht!“
Jetzt sei es für ihn an der Zeit, sich seiner eigentlichen Aufgabe zu widmen – Kindern die Welt zu zeigen. Also bewirbt sich Junghannß für seinen Vorbereitungsdienst, den er an einer Schule auf dem Land leistet – denn gerade dort bedürfe es moderner Strukturen und der Unterstützung von Heterogenität. „Weltoffenheit und Demokratieerziehung sind Grundsätze, die schon in der Grundschule die Basis für unsere Demokratie legen!“
„Da kann man noch was bewegen, gerade als eines der wenigen männlichen Vorbilder.“ Viele Kinder erlebten in ihren ersten Jahren ausschließlich Frauen im erzieherischen Umfeld. Gerade im Sinne der Gleichstellung und Gleichberechtigung war für Junghannß daher klar, dass er als Lehrer an die Grundschule müsse. Und aufs sächsische Land: „Gerade die brauchen jemanden, der da ein wenig frischen Wind reinbringt.“
Etwa indem er seinen Schülerinnen und Schülern ganz selbstverständlich beibringe, Dinge zu hinterfragen. Geschlechterklischees zum Beispiel: „Wenn ich etwa mit einem rosafarbenen Hemd in die Schule gehe, finden die Schülerinnen und Schüler das völlig verrückt. ‚Haben Sie ein Frauenhemd an, Herr Junghannß?‘, fragen sie dann. Und ich sage: ‚Rosa ist doch eine schöne Farbe, und wenn es mir gefällt, darf ich das doch auch tragen, oder?‘ Das sehen die Kinder dann ein.“
Ohnehin begreife er sich nicht allein als Wissensvermittler und Lernpartner. Die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstbewusstsein seiner Schützlinge zu stärken, stünden für ihn an erster Stelle: „Die Kinder wissen jetzt schon, was sie alles nicht dürfen. Das möchte ich umdrehen. Was heißt zum Beispiel ‚lieb sein‘ in den Klassenregeln und was kannst du aktiv dafür tun? Diese Art der positiven Affirmation ist mir extrem wichtig. Es wird immer nach Fehlern gesucht, aber wir müssen doch die Stärken festigen.“
Lehrerinnen und Lehrer tragen dazu einen großen Teil bei, das müsse aber endlich auch in der Gesellschaft ankommen: „Früher dachte ich in meiner Naivität: Lehrer arbeiten vormittags und haben nachmittags frei. Aber das ist natürlich absolut nicht wahr. Wir arbeiten viel und hart!“ Allein für die Organisation rund um den Unterricht ginge viel Zeit drauf. „Eigentlich brauche ich eine Sekretärin.“
Trotzdem ist Grundschullehrer nach wie vor Junghannß‘ Traumberuf, und er genießt es, für seine Schülerinnen und Schüler da zu sein, ihnen ernsthaft zuzuhören. Bindung stehe für ihn vor Erziehung und Bildung: „Überall müssen Kinder funktionieren, aber ich lasse sie gern auch Kind sein.“ Annäherung und Austausch seien im Kollegium sein Credo: „Ich will eine Verbindung sein zwischen allen – alten Lehrern, neuen Lehrern, Schülern und Eltern.“ Dass er ein guter Lehrer ist, daran zweifelt man kaum. Er hat immerhin seit der 2. Klasse dafür geübt.
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