Ein junger Mann mit gemustertem Hemd und schwarzer Umhängetasche steht auf einem belebten, bunt beleuchteten Festplatz.

„Pauschal gibt es an der Schule nicht. Das treibt mich an.“

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Tadej Spittank ist Referendar für Sorbisch und Sport und unterrichtet an zwei Oberschulen in Sachsen. Im Interview erzählt er, wie er seine Studienfächern gefunden hat, worauf es im Studium ankommt und was er im Referendariat gelernt hat. 

Hi Tadej! Zum Einstieg: Möchtest du uns ein bisschen über dich erzählen?

Tadej: Klar. Also, ich bin Tadej Spittank, 28 Jahre alt, und auf dem Weg, Lehrkraft für Sorbisch und Sport in Sachsen zu werden. Gerade absolviere ich an zwei Schulen mein Referendariat: An der Oberschule Schleife unterrichte ich Sport, an der Sorbischen Oberschule „Michal Hornik“ in Räckelwitz gebe ich den Rest der Woche Sorbisch-Unterricht. 

 

Wie bist du dazu gekommen, Lehrer werden zu wollen? Warst du selbst ein Musterschüler?

Tadej: Das würde ich so nicht sagen. Ich glaube, ich hatte immer ein wenig meinen eigenen Kopf. Ich bin früher auf dem Gymnasium durchaus auch mal angeeckt und dachte mir: Schule kann auch anders funktionieren. Das war für mich ein Antrieb, Lehrer werden zu wollen. Ich wollte immer auch zeigen, dass Schule ein Ort sein kann, an dem man verschiedene Möglichkeiten für sich ausloten kann. 

 

Gab es noch weitere Gründe?

Tadej: Klar. Ich habe immer gerne mit Menschen gearbeitet, zum Beispiel beim Fußball als Trainer. Neben dem Referendariat trainiere ich in Leipzig weiterhin eine A-Jugend. Es macht mir Spaß, mich in die Jugendlichen hineinzuversetzen und sie bei ihrer Entwicklung zu begleiten, sie auch ein Stück weit zu formen. Also dachte ich: Lehrer werden könnte mir liegen. 

 

Wie bist du dazu gekommen, Sorbisch auf Lehramt zu studieren?

Tadej: Die Idee, Sorbisch zu studieren und zu unterrichten, hat sich aus meinem eigenen sorbischen Background ergeben. Meine Eltern sind beide sorbischer Abstammung. Die Sprache war bei uns zu Hause immer ein natürlicher Teil des Alltags. Im Grunde habe ich Sorbisch gelernt, ehe ich Deutsch gelernt habe. Deshalb liegt es mir am Herzen, dass die Sprache lebendig bleibt. Sorbisch zu unterrichten ist eine schöne Möglichkeit, dazu beizutragen und der Community etwas zurück zu geben. 

 

Und wie bist du zu deinem zweiten Fach, Sport, gekommen?

Tadej: Zuerst hatte ich mich auf Sorbisch konzentriert und ein Grundschullehramt angestrebt. Mit dem Studium hierfür bin ich gut zurecht gekommen und war schnell fertig. Zu diesem Zeitpunkt habe ich die Studienzeit aber gerade sehr genossen. Außerdem war ich gerade verletzungsfrei und hatte Lust, mir meinen persönlichen Wunsch von einem Sportstudium zu erfüllen und so Sport auch zu einem Teil meiner späteren Arbeit zu machen. Also dachte ich mir: Okay, da geht noch mehr. Also habe ich mir selbst einen kleinen persönlichen Traum erfüllt und ein Sport-Studium angeschlossen. Das war dann als zweites Fach auch die Eintrittskarte, an weiterführenden Schulen zu unterrichten. 

 

Ein Klettergerüst mit schwarzen Seilen und roten Knoten steht auf einem Schulhof neben einem mehrstöckigen Gebäude.

Was, genau, überzeugt dich an der Oberschule?

Tadej: Im Referendariat erlebe ich viele Jugendliche, die klug und fähig sind, aber womöglich einfach noch etwas Zeit für Entwicklung brauchen und erst für sich herausfinden müssen, welcher Schulabschluss für sie der richtige ist. Sie profitieren sehr davon, dass die Oberschule ihnen diese Option offen hält. Sie können nach der neunten Klasse mit dem Hauptschulabschluss abgehen, wenn sie das möchten. Gleichzeitig ist die Option auf den Realschulabschluss immer da. Das motiviert die Schülerinnen und Schüler und macht etwas mit ihnen. Sie gewinnen Selbstbewusstsein, und begreifen, dass man ihnen etwas zutraut und sie etwas wert sind. 

 

Welchen Tipp hast du für andere junge Leute, die darüber nachdenken, Lehramt zu studieren:

Tadej: Es lohnt sich, sich vorab klar zu machen, dass es einerseits den Job gibt, den man anstrebt – Lehrkraft sein – und andererseits das Studium. Das Studium stellt andere Anforderungen als der Beruf, aber beides gehört zusammen. Das sollte man wissen, damit man engagiert in jede Phase geht. 

 

Kannst du das genauer erörtern?

Tadej: Als Lehrerin oder Lehrer sollte man Lust haben, sich auf Menschen einzulassen und ihnen etwas beizubringen. Es geht um handwerkliche Fragen: Wie gestalte ich meine nächste Stunde? Wie bringe ich ein Thema rüber, damit es alle verstehen – auch die, für die klassische Lern- oder Unterrichtsmethoden nicht so gut funktionieren? Vor dem Studium hat man aber erstmal andere Sorgen: Komme ich mit dem Studium und den Lerninhalten zurecht? Mit der ersten eigenen Wohnung oder der WG? Deshalb ist mein Tipp, sich die Realität im Beruf nochmal vor Augen halten. 

 

Wie kann man sich auf die Realität im Lehrberuf vorbereiten?

Tadej: Einerseits über das Studium selbst, denn die fachlichen Inhalte, die man lernt, sind das Fundament. Außerdem gibt es im Studium planmäßige Praxisphasen. Es lohnt sich aber in jedem Fall, auch außerhalb des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln. Das kann alles Mögliche sein. Mich hat meine Tätigkeit als Trainer weit gebracht. Am Ende muss es zu einem selbst passen. Man kann zum Beispiel Nachhilfe geben oder an einer Kunst- oder Musikschule als Kursleiterin oder -leiter anfangen. Außerdem kann man sich schon während des Lehramtsstudiums als Vertretungslehrkraft arbeiten. So lernt man schon früh die Realität des Schuldienstes kennen und hilft obendrein noch, Unterrichtsausfall zu vermeiden.  

 

Was war die wichtigste Lektion, die Du im Referendariat über den Lehrberuf gelernt hast?

Tadej: Definitiv, mit den eigenen Emotionen umzugehen. Jugendliche sind, zum Glück, sehr ehrlich. Sie geben dir ungeschönt Feedback, wie sie sich fühlen, was sie von dir denken oder ob sie auf eine Aufgabe Lust haben. Es ist wichtig, zu lernen, damit umzugehen und nicht alles mit nach Hause zu nehmen. Und die Gegenseite gibt es ja auch: Wenn deine Schülerinnen und Schüler plötzlich wirklich für etwas brennen. Darauf kann dich die Theorie nicht vorbereiten. Theorie ist immer etwas Pauschales, und pauschal gibt es an der Schule einfach nicht. Aber genau darin liegt ja die interessante Herausforderung im Beruf. Das treibt mich an. 

 

Tadej, wir danken Dir für das Gespräch.

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