Du denkst darüber nach, Lehrkraft zu werden, bist dir aber nicht sicher, ob der Lehrberuf wirklich etwas für dich ist? Dann hilft dir womöglich ein Freiwilliges Soziales Jahr Pädagogik bei der Entscheidung. Maruscha Schaulin hat es absolviert. Sie teilt sie ihre Erfahrungen im Gespräch.
Hallo Maruscha, du studierst aktuell Lehramt an Berufsbildenden Schulen an der Universität Leipzig. Wie sah dein Weg bis hierhin aus?
Maruscha Schaulin: Ich hatte schon seit der Grundschule die Idee im Hinterkopf, dass ich gerne Lehrerin werden möchte. Trotzdem war ich, ganz ehrlich, nicht immer die fleißigste Schülerin. Nach dem Abitur habe ich deshalb erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Pädagogik gemacht. Das war doppelt praktisch. So konnte ich aus erster Hand Erfahrungen sammeln und nebenbei meine Abiturnote etwas aufbessern. Das ist ein Vorteil, wenn man sich später für einen Lehramtsstudiengang mit Numerus Clausus bewerben möchte. Nach dem FSJ habe ich mein Lehramtsstudium hier in Leipzig in Angriff genommen.
Kannst du das FSJ Pädagogik weiterempfehlen?
Maruscha Schaulin: Auf jeden Fall! Es ist genau das Richtige für alle, die gerne Lehrkraft werden möchten, aber sich nicht sicher sind, ob der Schulalltag ihnen wirklich liegt. Im FSJ sammelt man direkt Praxiserfahrung im Schuldienst und merkt schnell, ob man das kann und was man eigentlich wirklich möchte. Die Aufgaben sind sehr vielfältig: Von der Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht über Hausaufgabenbetreuung bis zur Mitarbeit bei Ganztagsangeboten ist eigentlich alles dabei.
Wie waren deine eigenen Erfahrungen während deines FSJ?
Maruscha Schaulin: Sehr positiv. Ich habe mein FSJ an einer Grundschule hier in Leipzig absolviert. Das Jahr hat mir gezeigt, dass das Unterrichten mir auf jeden Fall liegt, und dass ich das auch in Zukunft gerne tun möchte. Gleichzeitig habe ich für mich erkannt, dass ich mich eher als Lehrkraft für Erwachsene und junge Erwachsene sehe, wo der erzieherische Aspekt nicht so im Fokus steht wie an einer Grundschule. Trotzdem habe ich meine Grundschüler sehr gerne gemocht und die Arbeit mit ihnen hat mir viel Spaß gemacht. Es hat mir also auch geholfen, herauszufinden, welche Schulart besonders gut zu mir passt.
Junge Erwachsene auf ihrem Weg in den Beruf wollen anders unterrichtet werden als Kinder. Deshalb entschied sich Maruscha Schaulin, nach ihrem FSJ an einer Grundschule dafür später Lehrerin an einer berufsbildende Schule zu werden. Foto: Cedric Seidewitz / PIO / SMK
Jetzt, wo du im Studium angekommen bist: Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um an der Universität zurecht zu kommen?
Maruscha Schaulin: Man muss definitiv lernen, sich selbst zu organisieren. Das Studium ist anspruchsvoll, es ist kein Selbstläufer, nur weil man in jeder Vorlesung sitzt. Man muss lernen und sich mit den Studieninhalten befassen. Aber man muss sich auch keine Sorgen machen, dass man das nicht schafft. Ich glaube, diese Selbstorganisation ist ein ganz natürlicher Schritt des Erwachsenwerdens.
Kannst du auch jetzt während des Studiums weiter Praxiserfahrung sammeln?
Maruscha Schaulin: Natürlich ist das Studium erst einmal genau das: Ein Studium. Insofern liegt der Fokus klar auf dem theoretischen Lernen. Für die konkrete Berufserfahrung wäre mehr Praxis natürlich immer wünschenswert, allerdings ist mit fünf Pflichtpraktika als Teil der sogenannten schulpraktischen Studien ein gewisser Praxisbezug schon direkt im Studium angelegt.
Welche konkreten Erfahren hast du dabei bisher gemacht?
Maruscha Schaulin: Ich habe zum Beispiel über mich gelernt, dass ich am besten bin, wenn ich mit einem Gefühl von Sicherheit in den Unterricht gehe. Das heißt für mich: Ich bereite mich gerne sehr umfangreich vor und versuche, möglichst viel vorauszuplanen – gerade in Fächern wie Geschichte, wo sich in der Klasse unterschiedlichste Diskussionen entwickeln können. Außerdem würde ich sagen, ich habe viel über den Umgang mit den Schülern gelernt.
Vorbereitung auf allen Seiten: Auf dem aktuellen Stand des Wissens zu sein, ist unabdingbar für Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen. Idealerweise nehmen sie vorab die Perspektive der Schülerinnen und Schüler ein und „lesen“ im Unterricht die Situation mit. Foto: Cedric Seidewitz / PIO / SMK
Inwiefern?
Maruscha Schaulin: Wenn ich eine Unterrichtsstunde vorbereite, stecke ich viel Zeit und Gedanken hinein. Am Ende hängt man dann auch ein Stück weit an diesem fertigen „Stundenprodukt“, weil man sich überlegt hat, wie die Stunde funktionieren soll. Gerade deshalb kann es am Anfang enttäuschend sein, wenn die Klasse dann nicht so reagiert, wie man es sich vorgestellt hat, oder wenn manche Schüler unaufmerksam sind.
Es ist aber wichtig, sich in die Schüler hineinzuversetzen und zu verstehen, was für sie in diesem Moment vielleicht gerade noch eine Rolle spielt. Sie haben an einem Tag mehrere Fächer, verschiedene Lehrkräfte und auch innerhalb der Klasse oder Gruppe passieren viele Dinge, die für sie wichtig sind. Dass sie unaufmerksam oder unruhig sind, bedeutet nicht automatisch, dass sie die Lehrkraft oder den Unterricht ablehnen.
Es hilft, die Situation nicht nur aus der eigenen Perspektive zu sehen. Wenn man versteht, dass vieles nicht persönlich gemeint ist, kann man gelassener damit umgehen und entwickelt mehr Verständnis für die Schüler.
Und weißt du schon, wie es nach dem Studium für dich weitergeht?
Maruscha Schaulin: Um Lehrerin einer berufsbildenden Schule zu werden, fehlt mir noch die nötige berufliche Praxis in einem Beruf im Gesundheitsbereich. Deshalb heißt es nach dem Studium für mich erst einmal arbeiten. Aktuell schaue ich noch, in welche Richtung es für mich gehen wird.
Maruscha, wir danken dir für das Gespräch.