Ronny Staudte leitet die Bruno-Bürgel-Oberschule und zeigt gemeinsam mit seinem Team, wie Schule den Strukturwandel mitgestalten kann. Seine Botschaft an angehende Lehrkräfte: In der Oberlausitz hast du die Chance, Schule gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern weiterzuentwickeln.
Als Ronny Staudte vor drei Jahren die Leitung der Bruno-Bürgel-Oberschule übernahm, hatte er eine klare Mission: den Schülerinnen und Schülern der Kleinstadt in der Oberlausitz aufzeigen, welche Möglichkeiten ihre Region bietet.
Den Spruch „Wer Weißwasser kennt, weiß, was er kennt“ kennt der 44-Jährige nur zu gut. Bevor er nach Weißwasser zurückkehrte, leitete er eine Grundschule in Görlitz und unterrichtete schon einmal vorher in Weißwasser. „Die sozioökonomische Situation ist angespannt, sodass nicht immer viel Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten herrscht“, erklärt Staudte. „Aber es gibt viel positives Feedback von den Schülerinnen und Schülern sowie das Vertrauen der Eltern in unsere Schule.“
Als er startete, antworteten die meisten Schüler auf eine von ihm angeschobene Umfrage: „Ich will so schnell wie möglich hier weg.“ Das wollte Ronny Staudte ändern.
Ob Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Astrophysik oder ein Fußballprojekt mit den anderen Schulen der Stadt – es gibt immer auch vielfältige Aktivitäten jenseits des Unterrichts zu planen für Schulleiter Ronny Staudte (vorn) und die stellvertretende Schulleiterin Laura Fabian an der Bruno-Bürgel-Oberschule. Foto: Bruno-Bürgel-Oberschule
Praxis trifft Theorie: Multiprofessionelle Teams im Einsatz
Eine starke Säule der Schule sind multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften und Mitarbeitenden weiterer Bildungsträger. Bestes Beispiel: der „Praxis-Plus-Tag“. Einen Tag pro Woche arbeiten Achtklässler in regionalen Betrieben mit – in Pflege, Handwerk oder Technik beispielsweise. Nach einem halben Jahr wechseln sie. So werden berufliche Ideen konkret oder können begründet verworfen werden. „Die Mitarbeitenden begleiten, unterstützen, helfen, Probleme zu lösen und trocknen auch mal eine Träne.“
Schon die Sechstklässler sammeln praktische Erfahrungen: Im Soziokulturellen Zentrum „Digitalis“ auf dem Telux-Gelände arbeiten sie in Kleingruppen mit 3D-Druckern, Laserdruckern und Lasercuttern. Zusätzlich treibt die Schule im DISEL-Projekt die Digitalisierung voran – durch „Lehrergesteuertes digitalgestütztes Selbstlernen“.
Inklusive Projekte und Zukunftsperspektiven
Die Schule wirkt auch in die Stadtgesellschaft hinein. Gemeinsam mit dem Landau-Gymnasium Weißwasser und der Brüder-Grimm Schule, der Förderschule des Landkreises, entwickelte sie in einer Projektgruppe ein Fußballprojekt. „Derzeit trainieren alle einmal alle zwei Wochen zusammen“, erzählt Staudte. Sponsoren wie RB Leipzig und Adidas konnten für das abschließende Turnier gewonnen werden.
Mit Perspektiven auf zu den Sternen
Das perspektivenreichste Projekt für die Region: Das Deutsche Zentrum für Astrophysik aus Görlitz plant, im Februar 2026 eine Außenstation in Weißwasser zu eröffnen. In Kooperation mit der Oberschule Geschwister Scholl Krauschwitz und der Bruno-Bürgel-Oberschule entstehen dort ganztägige Angebote für angehende „Junge Techniker“, im Idealfall später auch Ausbildungsplätze.
„Das passt perfekt zu unserem Namensgeber Bruno Bürgel“, sagt Staudte. Der Astronom kam selbst aus einfachen Verhältnissen. „Unser Leitspruch lautet ‚Per Aspera Ad Astra‘ – durch Bemühen zu den Sternen. Das passt zum DZA ebenso wie zu unserer Region.“
Ausgezählt und angenommen: Die Schulkonferenz der Bruno-Bürgel-Oberschule entschied Anfang Januar mit klarer Mehrheit, dass ab dem Schuljahr 2026/27 eine 5. Klasse mit Sportschwerpunkt starten soll. Foto: Bruno-Bürgel-Oberschule
Die Sportstadt Weißwasser stärken
Weißwasser ist aber auch eine Sportstadt. Und die soll mit Beginn des Schuljahres 2026/27 noch attraktiver werden, für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Studierende und Lehrkräfte. Nach den Sommerferien startet erstmals eine 5. Klasse, in der sportlich talentierte Schülerinnen und Schüler intensiv trainieren können. „Dafür suchen wir noch Lehrkräfte und Interessierte“, sagt Ronny Staudte.
Strukturwandel durch Bildung mitgestalten
Oberlausitz, strukturschwache Gegend am Rand von Sachsen – wie kann das für angehende Lehrkräfte attraktiv sein? „In dieser Region kann man wirklich etwas bewirken“, sagt Ronny Staudte. „Wer Lust hat, Schule im Sinne der Kinder mitzuentwickeln, ist bei uns willkommen. Ich bin offen, kein Verhinderer und freue mich über Innovationen und Impulse.“ Alle Maßnahmen, die die Bruno-Bürgel-Oberschule umsetzt, dienen einem übergeordnete Ziel: „Wir fördern die Bildungsgerechtigkeit und stärken damit die ländliche Region. Kurzum: Wir leben den Strukturwandel.“
Eine Schule, an der es sich schon für Studierende lohnt, länger mitzuarbeiten: Die Bruno-Bürgel-Oberschule bietet die Möglichkeit, ein Jahr lang im ALSO-Lehramtspraktikum einmal wöchentlich zunächst verpflichtende Praxis- und dann längerfristige Berufserfahrung während des Studiums zu sammeln. Foto: Bruno-Bürgel-Oberschule
ALSO – Praxiserfahrung im Studium
Nachhaltige Einblicke in den Schulalltag? Das geht an der Bruno-Bürgel-Oberschule besonders gut. Lehramtsstudierende können dort ein „Alternatives Lehramtspraktikum an ausgewählten Schulen in Ostsachsen“ (ALSO) absolvieren.
Anders als beim klassischen Blockpraktikum gestalten die Studierenden ein ganzes Schuljahr lang einmal wöchentlich einen „Lerntag“ für die Fünftklässlerinnen und -klässler. „Wir und die Richard-von-Schlieben-Oberschule in Zittau waren die Pilotschulen“, erzählt Staudte. Wegen des Erfolgs wurde das Projekt zum Schuljahr 2025/26 ausgeweitet. Die Technische Universität Dresden koordiniert und begleitet es wissenschaftlich. Aktuell machen 15 Schulen in den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Erzgebirge sowie Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit.
An der Bruno-Bürgel-Oberschule ist derzeit ein Team aus vier Lehramtsstudierenden aktiv. Dieses Praxis- und Praktikumsmodell ist eine Win-win-Situation für die Studierenden und für die Schulen gleichermaßen: Die ersten zehn Einsatztage werden den Studierenden als Pflichtpraktikum angerechnet; die weiteren bis Schuljahresende vergütet. So kann der Lehrkräftemangel an den Schulen in Sachsen und insbesondere in den ländlichen Regionen mit abgefedert werden.
Ronny Staudte ist der Experte vor Ort – und weiß, wie es geht in, mit und für Weißwasser. Und er sucht weiter angehende und ausgebildete Lehrkräfte, die die Zukunft der Region mitgestalten wollen.