Kunstlehrer Christian Reich steht vor einem Whitboard in der Klasse und stellt ein von den Schülern erstelltes Legebild vor.

Viele Wege zum Kunst-Lehramt

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Der Weg zum Kunst-Lehramt, einem an den Schulen stark nachgefragten Fach, ist vielfältig. Ob grundständiges Studium nach dem Abitur oder Seiteneinstieg nach einem Hochschulstudium und entsprechender Berufspraxis – je nach Ausgangsqualifikation führen unterschiedliche Wege zum Ziel.

Auch ausgebildete Gymnasiallehrer sind in Sachsens Oberschulen willkommen, wie Kunstlehrerin Jana Bens-Wiewiórski weiß. Sie machte einst selbst diesen Schwenk und empfiehlt den Perspektivwechsel in diesem 2. Teil des Artikels ausdrücklich. In Teil 1 berichteten Bens-Wiewiórski und ihr Kollege Christian Reich aus ihrem Kunstlehrer-Alltag an Oberschulen in Freiberg und Dresden.

"Warum nicht an die Oberschule?"

Kunst- und Geographie-Lehrer Christian Reich studierte ebenso wie seine Kollegin Jana Bens-Wiewiórski seine Fächer auf Lehramt grundständig. Jana Bens-Wiewiórski, die seit 2011 als Lehrerin in Oberschulen tätig ist, kennt noch jene Zeiten, in denen es kaum Kunstlehrer-Stellen gab und Flexibilität gefragt war, um überhaupt einen Job zu finden.

 

Die studierte Gymnasiallehrerin für Kunst und Deutsch war nach dem Staatsexamen 14 Jahre an einer privaten Berufsfachschule sowie an einer Fachoberschule für Gestaltung und Sozialwesen tätig, machte zudem eine Kunsttherapie-Ausbildung und arbeitete ebenfalls projektweise mit Behinderten. „Als es 2011 wieder Stellen im öffentlichen Dienst, aber ‚nur‘ für Oberschulen gab, habe ich mir gesagt: Wenn schon nicht Gymnasium, warum nicht Oberschule?“ Inzwischen ist sie ebenfalls Fachberaterin für Kunst an Oberschulen und einen Tag in der Woche in anderen Schulen unterwegs, um Hospitationen zu begleiten, Lehrer zu beraten und ergänzend zu Kunsttherapie zu informieren.

 

Jana Bens-Wiewiórski ermutigt Kolleginnen und Kollegen im Vorbereitungsdienst oder Gymnasiallehrkräfte ausdrücklich, Kunstlehrer an einer Oberschule zu werden: „Wir haben mittlerweile zum Teil gut ausgestattete Schulen, wir Kunstlehrer sind sehr gut vernetzt und nicht zuletzt: Wir brauchen überall gut ausgebildete Oberschülerinnen und -schüler.“ Sie empfiehlt, Praktika während des Studiums an Oberschulen zu machen und den praktisch-berufsorientierten Aspekt des Kunstunterrichts in dieser Schulform kennen- und schätzen zu lernen.

Von der Seite aus einsteigen

Praktiker aus künstlerischen Berufen sind über den Seiteneinstieg nicht weniger willkommen: „Das können Künstler, Designer oder beispielsweise Landschaftsarchitekten sein“, sagt Jana Bens-Wiewiórski. Die Wege in den Lehrberuf sind vielfältig; die Voraussetzungen für Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger sind auf der Lehrer-In-Sachsen-Seite auf dem jeweils aktuellen Stand nachlesbar.

Christian Reich war während seines Vorbereitungsdienstes mit einem Seiteneinsteiger im Ausbildungsseminar. Er schätzt dessen sehr breites künstlerisches Verständnis: „Der Kollege hatte zwar Anfangsschwierigkeiten in Didaktik, aber durch seinen künstlerischen Blick und aus seinem Beruf als Fotograf heraus hatte er die Fähigkeit, sehr tiefgründige Aufgaben zu stellen. Daraus resultierten dann aber auch sehr tolle und beeindruckende Ergebnisse. Insgesamt tut diese andere Perspektive von Seiteneinsteigern gut, und sie bringen ein hohes Maß an Ernsthaftigkeit in den Beruf mit.“

Viel Schülermanagement - und immer nah am Zeitgeschehen

Motiviert der Lehrer, macht der künstlerische Prozess Spaß und beeindrucken die Ergebnisse, mögen die Schülerinnen und Schüler – mindestens im Nachhinein – selbst die fordernden Aufgaben. „Idealerweise lassen sich Impulse aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler in den Unterricht integrieren“, sagt Christian Reich. So wie in einer von dem Künstler Anshuman Ghosh inspirierten Aufgabe. Die Schülerinnen und Schüler sollten spontan Legebilder mit Gegenständen aus ihren Federmappen oder Naturmaterialien plus einen im Bild sichtbaren Smartphone-Monitor kreieren, fotografieren und alles sofort wieder neu arrangieren. „Das Spiel mit der Schnelligkeit und dem Wechsel der Bildwelten macht es reizvoll“, sagt Christian Reich. Noch erfüllender ist es, wenn die Werke schließlich öffentlich gezeigt werden – so wie kürzlich im Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) Chemnitz, das die Arbeiten von Schülerinnen und Schülern mehrerer Schulen ausstellte.

Nach dem Vorbild eines modernen Künstlers wird
Schülerinnen und Schüler arrangieren Blätter und Naturmaterialien, um Bilder im Stil des Künstlers Anshuman Ghosh im Kunstunterricht zu gestalten.

Ganz wichtig: Respekt auf beiden Seiten und Arbeit auf Augenhöhe

Respekt auf beiden Seiten und eine Arbeit auf Augenhöhe, gerade auch mit den jüngeren Kindern, ist Christian Reich wichtig: „Es ist immer ein Geben und Nehmen. Als Lehrer muss ich es grundsätzlich gut finden, mit Kindern zu arbeiten. Und man muss wissen, worauf man sich einlässt. Es ist schon viel Schülermanagement dabei. Aber man ist auch immer am Zeitgenössischen dran. Wenn die Schülerinnen und Schüler mir von ihren Computerspielen erzählen, kann ich sagen, welche ich früher gespielt habe.“



Jana Bens-Wiewiórski setzt wiederum, ganz gleich ob mit Blick auf künftige Kolleginnen und Kollegen oder auf ihre Schülerinnen und Schüler, auf die Anziehungskraft ihrer Leidenschaft für das Allumfassende der Kunst: „Ich brenne für mein Fach, ich finde Kreativität enorm wichtig im Leben!“ Das kann nicht jede Schülerin und jeder Schüler unmittelbar nachempfinden, doch die Oberschulzeit mit ihrem Kunstunterricht umfasst ja immerhin sechs Jahre. Da bleibt genug Zeit, um sich mit der Passion für die Kunst anzustecken: „‘Es gibt doch nicht bloß Kunst, Frau Bens!‘, sagen meine Schüler manchmal. Ich sage: ‚Doch. Denn in der Kunst fließt so vieles zusammen.‘“

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