Von Halle über Leipzig nach Eilenburg: Zum Referendariat ging Lena Jakob von Sachsen-Anhalt zurück nach Sachsen

Lena Jakob absolviert ihr Referendariat an der Sebastian-Kneipp-Grundschule in ihrer Heimatstadt Eilenburg bei Leipzig. Für das Studium zog es sie nach Halle, um fern vom Elternhaus eigene Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln. „Ich wollte einfach mal schauen, wie ich zurechtkomme“, sagt sie.  

Nach ihrem ersten Staatsexamen ging sie nach Eilenburg zurück. Wie sie ihr Referendariat und ihren Bundesland-Wechsel von Sachsen-Anhalt nach Sachsen und in das dortige Studien- und Schulsystem wahrnimmt und was ihren Alltag als Referendarin ausmacht, verrät Lena Jakob mit ihrer Studienerfahrung in zwei Bundesländern.  

Lehramtsstudium? Besser als gedacht!

Das Lehramtsstudium hatte Lena Jakob ursprünglich gar nicht auf dem Plan. Sie wollte nach dem Abitur eigentlich Medizin studieren. Da ihre Aussichten auf einen Studienplatz in der Nähe jedoch nicht allzu gut waren, musste eine Alternative her: Lena Jakob entschied sich für ein Studium auf Grundschullehramt in Halle. Zu Beginn lediglich als Überbrückung bis zur Zusage auf einen Medizinstudienplatz gedacht, zeigten sich rasch die Vorzüge des vermeintlichen Ersatzfaches. „Das Grundschullehramtsstudium gefiel mir besser als gedacht. Die Idee mit dem Medizinstudium habe ich dann einfach verworfen und mit dem Lehramtsstudium weitergemacht.“

Studium in Sachsen-Anhalt, Referendariat in Sachsen

Ihr erstes Staatsexamen absolvierte sie in Halle und belegte die dafür übliche Pflichtfach-Kombination aus Mathematik und Deutsch. Als drittes Unterrichtsfach wählte sie Sachunterricht. Zum Referendariat zog es sie zurück in ihre Heimat. „Ich bin während der Corona-Zeit schon viel zwischen Halle und Eilenburg gependelt. Außerdem kommt mein Partner ebenfalls aus der Region, sodass wir gemeinsam entschieden haben, dass wir gern nach Eilenburg ziehen möchten.“

Der Bundeslandwechsel war einfacher als gedacht. „Das hat mich echt erstaunt, zumal es in Sachsen-Anhalt ja wirklich einen akuten Lehrermangel gibt und versucht wird, jeden, der dort ausgebildet wurde, im Land zu halten.“ Einzig das an der Uni Leipzig für das Grundschullehramt vorgesehene vierte Unterrichtsfach – in ihrem Fall Ethik – muss Lena Jakob nun aufholen. „Da ich in Halle kein viertes Fach studiert habe, muss ich mir das jetzt im Referendariat alles selbst beibringen. Ich habe darin auch ganz normal die Prüfungen.“ Dieses nachträgliche Selbststudium sei zwar zeitaufwendig, aber mit der richtigen Struktur und Organisation machbar.

Klassenübergreifende Planung: Erleichterung in der Arbeitsorganisation

Auf ihre Referendariatszeit an der Sebastian-Kneipp-Grundschule, die noch bis Anfang 2025 gehen wird, blickt Lena bislang sehr positiv. Vor allem die enge Zusammenarbeit im Kollegium begeistert sie: „Der Unterricht wird auf Klassenstufenebene geplant, auch die Arbeiten werden klassenübergreifend geschrieben. Das ist eine enorme Entlastung. Erstens, weil man immer noch einen weiteren Blickwinkel hat und zweitens, weil jeder insgesamt weniger Aufgaben erledigen muss, wenn beispielsweise ein Kollege die Deutscharbeit erstellt und einer die Mathearbeit.“

Von ihren zwei Mentorinnen, ebenfalls Grundschullehrerinnen, schaut sie sich einiges aus deren langjähriger Erfahrung und Berufspraxis ab. „Die beiden sind sehr unterschiedliche Lehrerpersönlichkeiten, aber beide machen das auf ihre ganz individuelle Weise sehr gut und geben mir wertvolle Einblicke in unterschiedliche Unterrichtsstile.“

Auch den Umgang mit den Eltern ihrer Schülerinnen und Schüler nimmt Lena Jakob als sehr positiv wahr: „Die meisten Eltern sind sehr offen, tolerant und kompromissbereit. Klar ist es manchmal ein bisschen schwierig, sobald die Wahrheit nicht ganz der entspricht, die die Eltern gern hören möchten. Im Grunde genommen sind die Eltern aber sehr auf das Wohl der Kinder bedacht.“
Schulgarten in der Sebastian-Kneipp-Grundschule
Schulgarten der Sebastian-Kneipp-Grundschule (Bild: Lena Jakob)

Bilder, Blumen und ein Kuchenbasar

Das Schönste an ihrer Arbeit ist für Lena Jakob die Dankbarkeit der Kinder: „Ich bekomme wirklich jeden Tag gemalte Bilder. Letzte Woche hat mir ein Kind sogar einen selbstgepflückten Blumenstrauß mitgebracht. Das fand ich sehr niedlich.“
Selbstgemalte Bilder im Klassenzimmer
Von Lena Jakobs Schülerinnen und Schülern selbstgemalte Bilder (Bild: Lena Jakob)
Ein besonderes Highlight ihres Referendariats: ein Kuchenbasar, den sie gemeinsam mit ihrer Klasse organisierte. „Die Kinder hatten den Spaß ihres Lebens. Sie sind dabei so aufgeblüht, das war wirklich ganz toll. Vor allem viele Kinder mit Migrationshintergrund sind dermaßen über sich hinaus gewachsen, hatten keinerlei Hemmungen vor dem Sprechen und sind offen und authentisch auf andere zugegangen.“ Die 240 Euro Erlös spendete Lena Jakobs Klasse in Form von Patenschaften an den Tierpark Eilenburg. So freuten sich ein Göttinger Minischwein, eine Boa und ein Storch über das von Lena Jakob und ihrer Klasse finanzierte Futter.

Plan A oder Plan B nach dem Referendariat – je nach Stellenlage

Lena Jakobs Referendariatszeit in Eilenburg neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Nach ihrem zweiten Staatsexamen wird sie ihr Abschlusszeugnis Ende Januar 2025 erhalten. Plan A danach ist für sie klar: „Ich würde sehr gern an meiner Schule bleiben. Die Chancen stehen 50:50. Es kommt darauf an, ob zum 1. August oder zum 1. Februar neue Lehrkräfte eingestellt werden.“

Falls eine Übernahme nicht klappt, hat Lena Jakob einen Plan B, etwas entfernt von Eilenburg. Da sie gern mit Kindern mit Migrationshintergrund arbeiten möchte, sieht sie sich eher im städtischen Raum, idealerweise in einer Kleinstadt. „Ich möchte weder aufs Dorf noch in die Großstadt. Ich könnte mir vorstellen, nach Torgau oder Delitzsch zu gehen. Das ist von mir aus gut erreichbar.“

Lenas Tipps aus ihrer Referendariats- und Grundschulpraxis:

Zitiersoftware erleichtert wissenschaftliches Arbeiten

Die Arbeit in der Schule und die Seminarbesuche parallel sind Zeit und Energie fordernd. Da hilft jede Vereinfachung aufwendiger Prozesse, merkte Lena im Studium ebenso wie nun im Referendariat. Ihr Tipp: Zitiersoftware nutzen! Vor allem für Hausarbeiten und für die wissenschaftliche Hausarbeit, die einer Masterarbeit ähnelt, arbeitete sie mit Citavi. Das Programm komplettiert auf Basis der ISBN eines Buches die Quellenangabe automatisch. „So konnte ich immens viel Recherche-Zeit sparen.“

Nichts wegschmeißen: Keine Eierkartons, keine Klopapierrollen!

Lena Jakob empfiehlt aus der Referendariatspraxis vor allem den Grundschullehrerinnen und -lehrern, sich möglichst bald mit verschiedensten Materialien einzudecken. So ziemlich alles könne im Unterricht weiterverwendet werden: „Nichts wegschmeißen – keine Toilettenpapierrolle, keine Eierpappe. So was kann man immer gebrauchen!“

Zeig den Kindern nie, dass sie weniger wissen als du

Mit den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe zu arbeiten, ist Lena besonders wichtig. „Lass die Kinder nie spüren, dass sie weniger wissen als du. Damit kannst du viele Sympathiepunkte sammeln. Es hilft sicher auch an die eigene Schulzeit zu denken und sich zu erinnern, was gut und was weniger gut war.“

Vergleiche dich nicht und sei du selbst!

Lena Jakob verglich sich zu Beginn ihres Referendariats häufig mit einer Mitreferendarin an ihrer Schule, die bereits ein halbes Jahr länger vor Ort war als sie. „Ich dachte mir ganz oft: Oh Mann, die weiß viel mehr als ich und kennt sich viel besser aus. Ja, logisch! Sie kannte die Kinder ja auch bereits ein halbes Jahr länger als ich.“ Lenas Devise lautet seitdem: „Sei du selbst und vergleiche dich nicht – sei es in der Schule oder im Seminar.“

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