Svenja F., Lehrerin auf dem sächsischen Land

Lehrerin auf dem sächsischen Land: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

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Es ist Ende Januar und trotz Winterzeit liegt ein Hauch von Frühling in der Luft. Aufbruchstimmung. Das passt gut zur aktuellen Lebenssituation von Svenja (26). Die gebürtige Sächsin beginnt nach ihrem Referendariat im Februar als festangestellte Deutschlehrerin an der Oberschule Bergstadtschule Sayda.

 

Wir trafen sie zum Interview und sprachen mit ihr über den Lehrerberuf, das sächsische Landleben und ihre Wünsche für die Zukunft.

Geboren und aufgewachsen ist Svenja mit dem blonden Kurzhaarschnitt und dem einnehmenden Lächeln in Brand-Erbisdorf, südlich von Freiberg. Ihre Kindheit war behütet und geprägt von den Vorzügen des Landlebens. Ob Im-Wald-Spielen oder Mountainbike-Fahren, Svenja verbrachte viel Zeit in der Natur. Schon in der 10. Klasse stand für sie fest: Svenja will Lehrerin werden.

 

Um sich auf ihr Lehramtsstudium vorzubereiten, absolvierte sie nach dem Abitur ein FSJ Pädagogik an einer Förderschule in Sachsen, gefolgt von weiteren Praktika. Das FSJ Pädagogik festigte ihren Wunsch, Förderschullehrerin zu werden. 2016 begann sie an der Universität Leipzig Lehramt Sonderpädagogik mit den Förderschwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung und Sprache für das Fach Deutsch zu studieren.

 

Während ihres Studiums in Leipzig lebte sie am Stadtrand, in der Nähe eines der Leipziger Badeseen. Doch mit dem Stadtleben konnte sich Svenja nie so richtig anfreunden: „Irgendwie war mir klar, dass ich nicht für immer in der Stadt bleiben würde, sondern zurück in meine ländliche Heimat gehe.“ Das ‚Überangebot‘ an Möglichkeiten des Lebens in der Stadt war für sie ein Stressfaktor. Die Ruhe und Gelassenheit des Landlebens konnte sie während ihrer Studienzeit in der Stadt nicht finden. Und die fehlten ihr.

„Ich liebe die Idylle, die die Nähe zum Erzgebirge mit sich bringt“

Seit dem Sommer 2023 lebt sie nun mit ihrem Mann und der dreijährigen Tochter in einem Ortsteil von Sayda, einem 1.700-Seelen-Dorf in der Nähe des Erzgebirges. Hier hat die junge Familie einen alten Hof gekauft. „Sayda ist wirklich klein, noch kleiner als mein Heimatort. Ich liebe die Idylle, die die Nähe zum Erzgebirge mit sich bringt. Wenn ich mich in der Umgebung umschaue, fühle ich mich wie im Urlaub, nur eben zu Hause“, schwärmt die Deutschlehrerin.

 

Dennoch ist der Lehrermangel in den ländlichen Gebieten im Vergleich zu den städtischen Ballungsräumen alarmierend hoch. Es braucht besondere Argumente, um Städter zu motivieren, aufs Land zu ziehen. Für Svenja ist die Mentalität der Menschen auf dem Land ein solches: „In der Stadt hat mich die Anonymität immer gestört. Die gibt es auf dem Land so nicht. Hier kennt sich jeder, auf der Straße grüßen wir uns mit Namen, wir treffen uns regelmäßig. Wir sind eine Gemeinschaft, und als mein Mann und ich hierher kamen, wurden wir herzlich aufgenommen“, erzählt Svenja. „Das klingt wie eine Floskel, aber es stimmt: Das Miteinander auf dem Land ist einfach angenehm familiär.“

 

Svenja macht auch auf die anstrengenderen Zeiten des Lehrerdaseins aufmerksam, die sich auf dem Land aber leichter überwinden ließen: „Der Lehrerberuf ist zwar eine besonders schöne, aber ab und an auch kräftezehrende Aufgabe. Wenn ich mir vorstelle, dass ich neben meinem stressigen Arbeitsalltag noch den Umgebungsstress des Stadtlebens hätte, dann könnte ich persönlich der Doppelbelastung in schwierigen Phasen kaum standhalten.“ Die Ruhe des Landlebens entschädige sie für jeden schweren Tag und gebe ihr neue Kraft.

 

Dennoch sei das Leben außerhalb der Stadt sicher nicht für jeden geeignet. „Man sollte schon einen Funken Liebe zum Landleben mitbringen, wenn man sich dafür entscheidet. Wer kein Landmensch ist, sollte sich nicht gezwungen fühlen, aufs Land zu ziehen“, meint Svenja.

„Niemand ist ein Universalgenie. Und das ist auch gut so“

Im Februar 2024 beginnt für Svenja ein aufregender neuer Lebensabschnitt: Ihr Referendariat ist beendet und sie startet ihr Abenteuer als fest angestellte Lehrerin an der Oberschule in Sayda.

 

„Am meisten freue ich mich auf die neuen Erfahrungen, die ich dort sammeln werde. Von der Förderschule, an der ich mein Referendariat absolviert habe, bin ich beispielsweise nur kleine Klassen mit etwa elf Schülern gewohnt. An der Oberschule werden die Klassen doppelt so groß sein.“ Das biete ihr mehr methodische Möglichkeiten für den Unterricht: „Ich möchte einfach noch mehr Schülerinnen und Schülern etwas mitgeben.“ Es sei ihr Traum, möglichst viele junge Menschen mit ihrer Arbeit positiv zu beeinflussen, „auch wenn das natürlich nicht immer klappen wird.“

 

Im Zentrum ihrer Arbeit steht für Svenja die Wissensvermittlung. „Darüber hinaus möchte ich meinen Schülerinnen und Schülern aber auch Wissen fürs Leben mitgeben. Ich möchte der nächsten Generation Mut und Selbstvertrauen schenken und ihnen dabei helfen, gute Menschen zu werden.“

 

Sie habe nicht den Anspruch, dass alle sie und ihr Fach mögen, denn: „Ich glaube, das sollte nie der Anspruch sein. Niemand ist ein Universalgenie. Und das ist auch gut so.“

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